Konjunktursorgen belasten Schweizer Börse

Die Schweizer Börse hat ihre Talfahrt am Mittwoch fortgesetzt. Händler erklärten, die Anleger sorgten sich um eine Abkühlung der Konjunktur.
15.11.2017 18:11

Daten aus den USA und China deuteten auf eine nachlassende Nachfrage nach Erdöl und Industriemetallen hin. Rohstoffpreise gelten als Indikator für die globale Konjunkturentwicklung. Dazu kam die andauernde Unsicherheit über die geplante Steuerreform von US-Präsident Donald Trump.

Der SMI sank um 0,5 Prozent auf 9090 Punkte. Am Dienstag hatte der Leitindex bereits 0,4 Prozent nachgegeben. Die Anleger seien nach den starken Anstiegen in der jüngsten Zeit auf der Hut. "Es ist eine normale Korrektur, wenn die Märkte etwas heissgelaufen sind", sagte ein Aktienstratege. "Es ist eine klassische Gewinnmitnahme-Situation."

Die Schweizer Standardwerte gaben mit Ausnahme von Swisscom alle nach. Unter die Räder kamen vor allem die Aktien von konjunkturempfindlichen Unternehmen. LafargeHolcim verlor 1,6 Prozent an Wert. In Paris wurden die Büros des Zementherstellers im Zusammenhang mit der Affäre um Schutzgeldzahlungen im syrischen Bürgerkrieg durchsucht. Auch beim Grossaktionär GBL in Brüssel wurden die Behörden wegen der Sache vorstellig. "Das ist ein unschönes Erbe von Lafarge", sagte ein Börsianer.

Die Aktien des Luxusgüterherstellers Richemont schwächten sich um ein Prozent ab. An der Spitze der Verlierer unter den Blue chips setzen sich die Titel des Uhrenherstellers Swatch mit einem Minus von zwei Prozent.

Auch die Banken standen auf den Verkaufszetteln. Credit Suisse verloren 0,7 Prozent, UBS 0,4 Prozent und Julius Bär 0,2 Prozent.

Die Anteile der Zurich Insurance Group gaben 0,5 Prozent nach. Der Versicherer hat an einer Investorenveranstaltung in London seine Finanzziele für dieses und die nächsten beiden Jahre bekräftigt. Ausserdem erneuerte Zurich-Chef Mario Greco das Dividendenversprechen.

Etwas besser als der Markt entwickelten sich die Pharmawerte. Novartis sanken 0,1 Prozent, Roche 0,3 Prozent. Das dritte Index-Schwergewicht Nestle ging 0,4 Prozent tiefer aus dem Handel. Nestle-Chef Mark Schneider treibt den Umbau des weltgrössten Lebensmittelkonzerns weiter voran. Das Säuglingsnahrungsgeschäft wird ab 2018 nicht mehr global, sondern regional geführt. Ziel sei es, stärker zu wachsen und effizienter zu werden. Nestle kündigte zudem Wechsel im Management an.

Am breiten Markt sanken die Baloise-Aktien um 1,9 Prozent. Das Geschäftsvolumen des Versicherers stagnierte in den ersten neun Monaten mit 7,22 Milliarden Franken auf dem Vorjahresniveau.

Die Orascom-Titel gaben 3,7 Prozent nach, obwohl der Hotel- und Baukonzern den Verlust in den ersten neun Monaten auf 30,3 Millionen Franken in etwa halbiert hat.

Bei Forbo kam der vom Management angebotene Aktienrückkauf zum Festpreis von 1430 Franken je Aktie nicht gut an. Die Anteile des Belagherstellers fielen um 1,6 Prozent auf 1462 Franken.

Kaufempfehlungen der Credit Suisse halfen den Aktien von Comet und Dätwyler ins Plus. Dagegen sanken die Titel des Hörgeräteherstellers Sonova nach einer Kurszielsenkung durch Goldman Sachs um 2,2 Prozent auf 162,90 Franken. Die Analysten der US-Investmentbank bekräftigten ihre Empfehlung "Neutral" und nannten ein Kursziel von 150 Franken.

Die Schweizer Börse erhält mit der Gebäudetechnikfirma Poenina einen weiteren Neuzugang in diesem Jahr: Die Aktien werden zu 46 Franken und damit am oberen Ende der angepeilten Preisspanne von 40 bis 46 Franken ausgegeben. Die Transaktion hat ein Volumen von 39,1 Millionen Franken. Erstmals an der SIX gehandelt werden sollen die Poenina-Aktien am Donnerstag. (Reporter: Paul Arnold und Angelika Gruber; redigiert von Oliver Hirt)

(Reuters)