Konjunktursorgen dämpfen Risikoappetit der Schweizer Anleger

Die Schweizer Börse hat am Freitag nachgegeben. Der Fall der Rohstoff- und Erdölpreise trübte die Stimmung und manch ein Anleger realisierte vor dem Wochenende die jüngst erzielten Kursgewinne.
23.06.2017 17:39

"Eine Konsolidierung zum Wochenschluss kann nicht schaden", sagte ein Händler. "Wir haben keine schlechte Woche hinter uns." Auch die nahende Quartalsberichtsaison bremste die Kaufbereitschaft. Der SMI gab 0,2 Prozent auf 9033 Punkte nach.

Die Entwicklung der Rohstoff- und Erdölpreise schüren die Sorgen vor einer Konjunkturabschwächung. Vor allem die Nachfrage aus China bereitete den Investoren Kopfzerbrechen. Der Ölpreis legte zwar leicht auf 45,32 Dollar je Fass zu, blieb aber deutlich unter der wichtigen Marke von 50 Dollar. "Fallen die Preise weil zu viel produziert wird, oder weil die Nachfrage zu tief ist", sagte ein Händler.

Die Mehrheit der Standardwerte gab nach. Die Novartis-Aktien schwächten sich trotz erneut guter Nachrichten um 0,1 Prozent ab. "Nach dem Kurssprung vom Vortag konnte keiner weitere Kursgewinne erwarten", sagte ein Händler. "Fünf Prozent sind für ein solches Schwergewicht recht viel." Der Pharmakonzern ist der Zulassung eines potenziellen Milliardenmedikaments in Europa einen entscheidenden Schritt nähergekommen. Ein Expertenausschuss der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) empfahl am Freitag, das Präparat Kisqali als Primärtherapie für eine schwer zu behandelnden Form von Brustkrebs freizugeben. "Der positive Lauf reisst bei Novartis nicht ab", sagte ein Börsianer.

Die Genussscheine von Roche schlossen unverändert. Auch der Novartis-Rivale veröffentlichte gute Nachrichten. In den USA wurde eine neue Variante der Arznei Rituxan/MabThera zur Behandlung von drei häufigen Blutkrebsformen zugelassen. Rituxan Hycela kann direkt unter die Haut gespritzt werden. Bislang wurde das Präparat mittels einer langwierigen Infusion verabreicht. Zudem verlangsamte das Medikament Ocrevus in einer spätklinischen Studie das Fortschreiten von Multipler Sklerose deutlich.

Beim Börsenneuling Idorsia ging der Höhenflug weiter. Die Aktien der vom Biotech-Konzern Actelion abgespaltenen Forschungsfirma stiegen um weitere 0,3 Prozent. Sei dem Debüt vor einer Woche beläuft sich das Plus auf mehr als 50 Prozent.

Die Aktien von Nestle büssten 0,2 Prozent ein. Mit Lindt & Sprüngli, Barry Callebaut, Aryzta und Emmi zählten auch andere Lebensmittelwerte zu den Kursverlierern.

Die Aktien der Grossbanken Credit Suisse und UBS sanken um 0,6 und ein Prozent. Versicherungstitel gaben ein halbes Prozent und mehr nach.

Konjunktursorgen drückten die Kurse zyklischer Firmen. Die Anteile des Elektrokonzerns ABB waren leicht negativ, der Personalvermittler Adecco verlor 0,9 Prozent an Wert und die Luxusgüterwerte Richemont und Swatch ermässigten sich um 0,3 und 0,5 Prozent. Gegen den Abwärtstrend rückten die Anteile des Zementproduzenten LafargeHolcim 0,7 Prozent vor.

Am breiten Markt fielen die Aktien der Pharmafirma Santhera nach dem Kurssprung vom Vortag um 4,6 Prozent.

Die Aktien der VP Bank rückten 1,9 Prozent vor. Die Bank stellte einen höheren Halbjahresgewinn in Aussicht.

Die Aktien von Leonteq zogen 3,2 Prozent an. Seit dem Einstieg des Financiers Rainer-Marc Frey bei der Derivatboutique sind die Titel gefragt.

(Reuters)