ktien Schweiz: SMI baut Verluste aus

Der Schweizer Aktienmarkt notiert am Mittwochmittag nach wie vor deutlich im Minus. Der Leitindex SMI hat die Verluste im Verlauf des Vormittags sogar noch ausgebaut und rutschte zeitweise bis auf wenige Zähler auf die symbolisch wichtige Marke von 9'000 Punkten ab. Als Grund gilt das Säbelrasseln zwischen Nordkorea und den USA. Die nordkoreanischen Streitkräfte drohten in der Nacht den Vereinigten Staaten mit einem Raketenangriff auf die US-Pazifikinsel Guam, nachdem US-Präsident Donald Trump dem Land zuvor indirekt militärische Gewalt angedroht hatte.
09.08.2017 12:51

Experten wollen die Kurseinbussen gleichwohl nicht überbewerten. "Wir sind weit entfernt von einer Panik", meinte ein Händler. Der SMI bewege sich trotz der gegenwärtigen Einbussen im Trading-Range, den er seit Monaten nicht verlassen habe. Analysten verwiesen zudem auf die deutlichen Gewinne der letzten Zeit, die den SMI noch am Montag (intraday) auf ein Jahreshoch getrieben haben. "Es ist gut möglich, dass sich die Lage bald wieder beruhigt und die tieferen Kurse als gute Einstiegsmöglichkeit gesehen werden", lautete daher das Fazit eines Händlers.

Der Swiss Market Index (SMI) verliert bis zur Mittagszeit 1,53% auf 9'022,14 Punkte, das Intraday-Jahreshoch vom Montag von 9'198,45 Zählern ist damit in weite Ferne gerückt. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gibt 1,69% auf 1'439,58 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 1,52% auf 10'272,80 Zähler nach. Alle SMI/SLI-Werte notieren im Minus.

Die Eskalation zwischen den USA und Nordkorea liess auch den Franken wieder etwas erstarken, was die Stimmung an der hiesigen Börse ebenfalls belastet. Der EUR/CHF-Kurs rutschte zeitweise unter die 1,13er-Marke, der USD/CHF-Kurs fiel derweil unter die Grenze von 0,97. Ein Spiegel der aktuellen Stimmung ist auch der Volatilitätsindex VSMI, der inzwischen um 14% anzieht; er gilt als Angstbarometer der Börse.

Die deutlichsten Verluste bei den Blue Chips erleiden aktuell Swiss Life (-3,0%). Zum Versicherer kursieren Gerüchte, er wolle in Spanien ein grösseres Immobilienportfolio übernehmen.

Generell haben es Finanzwerte schwer: So verlieren dahinter CS (-2,8%) und Julius Bär (-2,5%) am meisten. Und auch Bâloise (-2,2%), UBS (-2,1%) sowie Zurich (-2,0%) zählen zum Kreis der Titel mit Abgaben von 2% und mehr. Finanztitel reagieren bekanntlich häufig sensibel auf geopolitische Spannungen.

Abgesehen davon büssen nur noch die zyklischen LafargeHolcim (-2,3%) und die stets volatilen Aryzta (-2,1%) mehr als 2% ein.

Klare Verluste erleiden auch Givaudan (-1,9%). Der Aromen- und Riechstoffhersteller bekommt die mässigen Resultate der Konkurrenz zu spüren. So hat die deutsche Symrise im ersten Halbjahr vor allem mit der Margenentwicklung enttäuscht. Auch bei Swatch (-1,9%) wirken sich nebst dem stärken Franken enttäuschende Zahlen eines Konkurrenten (Fossil) aus.

Bei den Schwergewichten schneidet der Pharmakonzern Roche (-0,9%) etwas besser ab als Nestlé (-1,3%) und Novartis (-1,5%). Roche ist mit dem US-Biopharma-Unternehmen Dermira eine Lizenzvereinbarung für seinen Asthma-Produktkandidaten Lebrikizumab eingegangen. Das US-Unternehmen leistet zunächst eine Einmalzahlung an den Basler Konzern in Höhe von 80 Mio USD, je nach Erfolg winken Meilensteinzahlungen von bis zu etwas mehr als 1 Mrd USD.

Verluste von weniger als 1% erleiden nebst Roche einzig Lonza (-0,7%) und vor allem Swisscom (-0,4%). Die Telekompapiere gelten mit ihrer geringen Volatilität und der hohen Dividendenrendite als vergleichsweise krisenfest.

Auch am breiten Markt liegen kaum Nachrichten vor. Nur die Energiedienst Holding (+1,2%) hat eine Mehrheitsbeteiligung am Oberwalliser Start-up Winsun bekannt gegeben, was offensichtlich gut ankommt. Im Fokus sind weiterhin Swissquote, die am Vortag nach der Zahlenvorlage um 14% angezogen hatten und nun infolge Gewinnmitnahmen 3,3% einbüssen.

rw/tp

(AWP)