Nestle bewahrt Schweizer Börse vor dem Abrutschen

Die Schweizer Börse hat sich am Mittwoch leicht abgeschwächt Dass der Markt nicht stärker abrutschte, war dem Index-Schwergewicht Nestle geschuldet.
28.06.2017 17:39

Die Aktien des Lebensmittelkonzerns stiegen nach der Ankündigung eines milliardenschweren Aktienrückkaufs kräftig. Der SMI gab 0,04 Proznt auf 9070 Punkte nach.

Negative Vorgaben aus den USA und aus Fernost sowie der nachgebende Dollar trübten die Stimmung, hiess es am Markt. Die schwache US-Devise trübe die Aussichten für die Exportindustrie, sagten Händler. Zudem hinterfragten manche Anleger das hohe Kursniveau der US-Technologiewerte. Auch die Verschiebung der Abstimmung über die Gesundheitsreform im US-Senat verunsichere die Anleger. Ausserdem äusserten sich die Anleger verunsichert über die Geldpolitik der EZB.

Dass sich das Umfeld kurzfristig ändert, glaubten Händler nicht. "Es gibt mit Ausnahmen von Spezialsituationen wie Nestle keinen guten Grund zu kaufen", sagte ein Börsianer. Erst bei noch stärker fallenden Kurse dürften die Anleger wieder zugreifen.

Die Nestle-Aktien stiegen um 1,1 Prozent. Das SMI-Schwergewicht bewahrten den Index damit praktisch im Alleingang vor einem stärkeren Rückgang. Mit einem milliardenschweren Aktienrückkaufprogramm will der Lebensmittel-Weltmarktführer dem aktivistischen Investors Third Point Wind aus den Segeln nehmen. Bis Ende Juni 2020 sollen eigene Titel im Wert von bis zu 20 Milliarden Franken zurückgekauft werden. Nestle erfüllt damit eine zentrale Forderung von Third Point, dessen Einstieg bei Nestle am Sonntag bekanntgeworden war. Der Hedgefonds wollte sich nicht zu den Plänen von Nestle äussern.

"Das Rückkaufprogramm wird dem Kurs kurzfristig sicher guttun", sagte ein Börsianer. Nestle sei stattlich bewertet, erklärte ZKB-Analyst Patrik Schwendimann. Die grössere Erwartungshaltung berge auch ein grösser werdendes Enttäuschungspotenzial. Es gab auch kritische Stimmen. "Das setzt ein schlechtes Zeichen", sagte ein Händler. "Die kurzfristig orientierten Spekulanten werden rasch weitere Ziele ausmachen, auf die sie Einfluss nehmen können."

Die ebenfalls schwergewichtigen Pharmawerte Novartis und Roche ermässigten sich um 0,9 beziehungsweise 0,4 Prozent. Die Idorsia-Aktien zogen weitere 4,8 Prozent an. Die vom Biotechnologiekonzern Actelion abgespaltene Firma hat damit seit ihrem Debüt vor bald zwei Wochen 60 Prozent an Wert gewonnen.

Bei den Finanzwerten stachen die Aktien der Grossbank UBS mit einem Kursgewinn von 1,6 Prozent heraus. Julius Bär verloren 0,2 Prozent vor und Credit Suisse stiegen um 0,4 Prozent. Die Versicherungen zeigten keine klare Richtung. Händler sagten, der Anstieg der Anleihenrenditen und die Bereinigung in der Bankenlandschaft in Spanien und Italien stimmten die Anleger positiv gegenüber Finanzwerten.

Grössere Kursabschläge gab es bei zyklischen Firmen. Konjunktursorgen und der Kursrückgang der Technologietitel lösten Gewinnmitnahmen aus, hiess es. Die Aktien des Elektrotechnikkonzerns ABB verloren 1,3 Prozent, die Anteile des Zementproduzenten LafargeHolcim, des Prüfkonzerns SGS und die Anteile des Personalvermittlers Adecco sanken um 0,1 und 0,6 Prozent.

Am breiten Markt fielen die Aktien der GAM Holding um 4,8 Prozent. Bei dem Vermögensverwalter ist der aktivistische Investor RBR ausgestiegen. "Wir sind der Meinung, dass GAM von den Zielen her zu wenig ambitioniert ist", sagte RBR-Chef Rudolf Bohli am Mittwoch zu Reuters.

Die Kudelski-Titel zogen 2,1 Prozent an. Der TV-Verschlüsselungsspezialist hat mit der US-Firma Turner Broadcasting System eine Überkreuz-Lizenzvereinbarung abgeschlossen.

(Reuters)