Nestle bremst Kursabschwung der Schweizer Börse

Ein kräftiger Kursanstieg von Marktschwergewicht Nestle hat die Schweizer Börse am Dienstag vor einem stärkeren Abrutschen bewahrt.
26.09.2017 16:57

Die Angst vor einer Eskalation des Nordkorea-Konflikts und die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der Regierungsbildung in Deutschland machten die Anleger vorsichtig und sie strichen Gewinne ein, sagten Händler. Der SMI notierte mit 9114 Punkten um 0,3 Prozent tiefer als am Montag.

Nordkorea verstärkt nach dem jüngsten verbalen Schlagabtausch mit US-Präsident Donald Trump einer Agenturmeldung zufolge offenbar die Verteidigung an seiner Ostküste. Zuvor hatte Nordkorea bereits mit einem Abschuss amerikanischer Langstreckenbomber gedroht, da die USA dem kommunistischen Land den Krieg erklärt hätten. Die USA wiesen dies zurück.

Auch eine nach Börsenschluss in Europa auf dem Programm stehende Rede von US-Notenbankchefin Janet Yellen über Inflation und Geldpolitik habe bremste die Risikobereitschaft der Marktteilnehmer. Die Investoren erwarten von den Ausführungen Hinweise auf eine mögliche Zinserhöhung im laufenden Jahr. "Also heisst die Devise erst einmal abwarten", sagte ein Händler.

Im Blick hatten die Anleger vor allem den neuen Nestle-Chef Mark Schneider. Bei seinem ersten Auftritt an einem Investorentag des Lebensmittelkonzerns bekannte sich Schneider zu mehr Wachstum, Kostensenkungen und Gewinn und gab ein neues Renditeziel bekannt. An der strategischen Ausrichtung will Nestle festhalten. Das Index-Schwergewicht gewann 1,8 Prozent an Wert und unterstützten den SMI merklich. Händler bezeichneten die Ziele als zwar nicht sehr ambitiös aber anlegerfreundlich. "Diese Ziele dürften Skeptiker darin bestärken, dass der Veränderungsprozess bei Nestle in vollem Gange ist", erklärten die UBS-Analysten.

Die beiden anderen SMI-Riesen Novartis und Roche schwächten sich um 1,2 und 1,3 Prozent ab. Exane BNP hat die Empfehlung für Roche auf "Underperform" gesenkt.

Bei den Finanzwerten zogen die Anteile der Credit Suisse 0,2 Prozent an. ZKB und UBS haben die Kauf-Empfehlung für die Grossbank bestätigt. Die UBS-Aktien ermäsigten sich um 0,5 Prozent. Auch Versicherungswerte schwächten sich etwas ab.

Zu den wenigen Kursgewinnern unter den Standardwerten zählte auch noch der Uhrenkonzern Swatch mit einem Kursplus von 0,7 Prozent.

Die ABB-Aktien gaben 0,6 Prozent nach. Der Elektrotechnikkonzern hatte am Montag den Kauf der GE-Sparte Industrial Solutions für 2,6 Milliarden Dollar bekanntgegeben.

Die Anteile von LafargeHolcim sanken nach dem Kurseinbruch am Montag um weitere 0,9 Prozent. Finanzchef Ron Wirahadiraksa hatte sich auf einer Analystenkonferenz zum Umfeld in Schlüsselmärkten verhalten geäussert.

Am breiten Markt brachen die Newron-Titel 9,8 Prozent ein. Die Pharmafirma holte sich mit der Platzierung von neuen Aktien bei institutionellen Anlegern 27 Millionen Franken.

Die Anteile von Kuros stiegen um 3,5 Prozent. Die auf Hautersatzprodukte spezialisierte Firma halbierte den Verlust im ersten Halbjahr auf sieben Millionen Franken.

Die Aktien der Schweizerischen Nationalbank sackten 14 Prozent ab - wegen Gewinnmitnahmen, wie Händler erklärten. Der Kurs hat sich im laufenden Jahr mehr als verdoppelt.

Die Aktien von Aryzta verloren 7,3 Prozent auf 29 Franken. Goldman Sachs hat das Kursziel auf 26,60 von 27,40 Franken gesenkt. Die Empfehlung lautet auf "Neutral". Die Backwarenfirma hatte am Montag für das Geschäftsjahr 2016/17 einen Gewinneinbruch von 43 Prozent bekanntgegeben.

(Reuters)