Nestle-Kursschwäche drückt Schweizer Börse ins Minus

Die Schweizer Börse hat am Dienstag nachgegeben. Nach dem Kursanstieg vom Vortag schritten die Marktteilnehmer Händlern zufolge zu Gewinnmitnahmen.
27.06.2017 17:38

Impulse für einen weiteren Anstieg fehlten und die erhofften Anschlusskäufe bei Index-Schwergewicht Nestle blieben aus. "Wir konsolidieren den Vortagesanstieg", sagte ein Börsianer. Der SMI schwächte sich um 0,5 Prozent auf 9073 Punkte ab. Am Montag war der Leitindex dank Nestle um ein Prozent auf ein Jahreshoch gestiegen.

Äusserungen von EZB-Chef Mario Draghi verunsicherten die Marktteilnehmer. Draghi hatte auf einer Notenbankkonferenz in Portugal ermutigende Worte über die europäische Konjunktur geäussert und damit Spekulationen auf eine straffere Geldpolitik ausgelöst. Eine Gewinnwarnung des deutschen Autozulieferers Schäffler trübte die Stimmung zusätzlich.

Die Nestle-Aktien büssten 1,6 Prozent ein und waren damit für den grössten Teil des SMI-Rückgangs verantwortlich. Am Vortag hatte der Einstieg des als aktivistisch geltenden Hedgefonds Third Point von Finanzinvestor Daniel Loeb bei den Anlegern die Hoffnung auf rasche Kursgewinne geweckt und das Index-Schwergewicht war um mehr als vier Prozent hochgeschossen. "Der neue CEO Schneider wird den Konzern schon umbauen. Aber das braucht noch etwas Zeit", sagte ein Händler.

Trotz erneut guter Produktnachrichten büsste Pharmawert Novartis 0,7 Prozent ein. Das Medikament Erelzi der Generika-Tochter Sandoz wurde In Europa zur Behandlung multipler Entzündungskrankheiten zugelassen. Erelzi ist ein Biosimilar der Amgen-Arznei Enbrel. Dagegen stiegen die Roche-Scheine um 0,1 Prozent. Die EU-Kommission gab grünes Licht für eine neue Tabletten-Form des Roche-Präparats Esbriet zur Behandlung der Lungenkrankheit IPF. Patienten müssten damit weniger Pillen schlucken.

Weiter im Aufwind waren die Anteile von Idorsia mit einem Plus von 1,3 Prozent. Seit dem Börsendebüt vor bald zwei Wochen hat die vom Biotech-Konzern Actelion abgespaltene Forschungsfirma nahezu 60 Prozent an Wert gewonnen.

Bei den Banken hielt der jüngst begonnene Aufwärtstrend an. Die Aussicht auf eine straffere Geldpolitik der EZB und damit verbunden höhere Renditen verhalf den Aktien der Credit Suisse und der UBS zu einem Anstieg von 1,9 Prozent. Positiv aufgenommen wurde Händlern zufolge auch, dass sich in Spanien die beiden krisengeplagten Geldhäuser Bankia und Banco Mare Nostrum (BMN) zusammenschliessen.

Versicherungswerte dagegen schwächten sich meist ab. Baloise fielen um 1,2 Prozent und Re sanken um 0,6 Prozent.

Mehrheitlich schwächer waren die Anteile zyklischer Firmen- ABB, Adecco und Clariant schwächten sich rund ein halbes Prozent ab und Swatch fielen um 1,5 Prozent. Gegen den Trend legten die LafargeHolcim-Anteile leicht zu.

Am breiten Markt stiegen die Aktien von Arbonia um 3,5 Prozent. Der Bauausstatter hat die Industrielacke Gruppe (Ilag) an die Schweizer Beteiligungsgesellschaft Helvetica verkauft und damit hat das letzte Unternehmen des Geschäftsbereichs Beschichtungen veräussert.

Die Aktien von Autoneum fielen um 2,3 Prozent. Die Gewinnwarnung des deutschen Autozulieferers Schäffler hinterlasse Spuren, hiess es.

Belimo sanken um 2,1 Prozent auf 4180 Franken. Research Partners hat die Empfehlung für den Bauzulieferer auf "Sell" von "Hold" gesenkt und Kursziel von 3000 Franken genannt.(Reuters)