Nestle-Kurssprung verhilft Schweizer Börse zu Jahreshoch

Der Kurssprung des Index-Schwergewichts Nestle hat am Montag die Schweizer Börse auf den höchsten Stand seit fast zwei Jahren gehoben.
26.06.2017 17:34

Der Einstieg des als aktivistisch geltenden Hedefunds Third Point von Finanzinvestor Daniel Loeb beim Lebensmittel-Weltmarktführer habe Anleger und Spekulanten angezogen, sagten Händler. Der SMI kletterte um 1 Prozent auf 9122 Punkte. Vorübergehend erreichte der Leitindex mit 9148 Zählern den höchsten Wert seit August 2015. Nestle steht für gut ein Fünftel der SMI-Kapitalisierung. "Ohne Nestle wären wir kaum nennenswert im Plus", sagte ein Börsianer.

Die Nestle-Aktien stiegen um 4,3 Prozent auf 85.65 Franken. Das ist der stärkste Kursanstieg an einem Tag seit August 2011. Third Point fordert eine Änderung der Firmenstrategie. Der Anteil von mehr als einem Prozent sei umgerechnet rund drei Milliarden Euro wert, hatte der Investor erklärt. Der Fonds ist damit der achtgrösste Aktionär des Unternehmens. "Wir sind überzeugt, dass Mark Schneider mit Nestle hochgesteckte Ziele verfolgt, darunter auch einige, wenn nicht sogar alle von Third Point vorgeschlagenen Massnahmen", kommentierte Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy. Ein Börsenhändler sagte: "Mit guten Ideen kann er durchaus viele Anleger hinter sich scharen."

Andere marktbewegende Themen gab es kaum. Der Ölpreis-Verfall und die US-Zinsen beschäftigten die Anleger weiterhin. Angesichts enttäuschender US-Konjunkturzahlen sorgten sie sich um die Entwicklung der weltgrössten Wirtschaft. Daher warteten sie gespannt auf den US-Arbeitsmarktbericht am Freitag. Ausserdem könnte der amerikanische Unabhängigkeitstag am 4. Juli das Geschehen dämpfen. Danach beginnt der Reigen der Halbjahresberichte, die für Impulse sorgen könnten.

Festere Kurse gab es bei Banktiteln. Die Anleger reagierten mit Erleichterung auf die Rettung der zwei strauchelnden italienischen Banken Veneto Banca und Banca Popolare di Vicenza. Italien eilt den zwei Instituten mit bis zu 17 Milliarden Euro Steuergeldern zur Hilfe. Der europäische Bankenindex stieg um gut 1,4 Prozent. Die Aktien der Credit Suisse zogen 1,1 Prozent an und die der UBS rückten 0,6 Prozent vor. JP Morgan hat die Empfehlung für UBS auf "Overweight" von "Neutral" angehoben und das Kursziel auf 19 Franken erhöht. Die Analyse von Credit Suisse nahm die US-Bank mit "Overweight" und Kursziel 17 Franken auf.

Die Anteile der Privatbank EFG International legten 1,7 Prozent zu. "Der Titel ist kursmässig total zurückgeblieben. Der Kursabschlag im Zusammenhang mit der Übernahme der BSI ist übertrieben", sagte ein Händler. Die Anteile der Derivatboutique Leonteq waren kräftig im Aufwind.

Auch Versicherungswerte stiegen. Swiss Re legten 0,1 Prozent zu und Baloise rückten 1,1 Prozent vor.

Gewinnmitnahmen nach dem jüngst kräftigen Anstieg drückten den Pharmawert Novartis 0,4 Prozent ins Minus. Die Genussscheine von Roche rutschten ebenfalls 0,4 Prozent ab. Händler äusserten sich leicht enttäuscht, da die positiven Nachrichten zu dem experimentellen Roche-Medikament Emicizumab dem Titel nicht geholfen hätten. Emicizumab stellte in zwei spätklinischen Studien der Phase III seine Wirksamkeit bei Bluterkrankheit Hämophilie A unter Beweis. Der Arzneimittelhersteller will die Testresultate bei einem Ärztekongress präsentieren, der am 10. Juli in Berlin beginnt.

Die Titel zyklischer Firmen waren ebenfalls mehrheitlich fester. Der Elektrotechnikkonzern ABB gewann 0,2 Prozent an Wert, Chemiewert Clariant legte 0,5 Prozent zu. Die Anteile der Sanitärtechnikfirma Geberit und des Aromen- und Riechstoffherstellers Givaudan wurden zu tieferen Kursen gehandelt.

Am breiten Markt fiel Gurit mit einem Kursgewinn von 1,7 Prozent auf. Die Analysten der ZKB begrüssten das Joint-Venture, das die Kunststofffirma in Indonesien mit einem Balsaholz-Unternehmen eingegangen ist. "Wir schätzen das Umsatzvolumen mit Balsaanwendungen auf etwa 65 Millionen Franken, was damit rund 18 Prozent des Umsatzes von Gurit darstellt", erklärte Analyst Philipp Gamper.

(Reuters)