Pharmawerte und Nestle lasten auf der Schweizer Börse

Die Schweizer Börse ist am Montag abgebröckelt. Wegen eines Feiertags in China und in den USA vermissten Händler richtungsweisende Impulse und das Geschäft verlief bei dünnen Umsätzen in ruhigen Bahnen.
19.02.2018 17:33
Ein ruhiger Montag an der Schweizer Börse.
Ein ruhiger Montag an der Schweizer Börse.
Bild: cash

"Viele Marktteilnehmer halten sich zurück und die Kursfindung mutet vielfach etwas zufällig an", sagte ein Händler. In Shanghai war die Börse wegen der Neujahrsfeierlichkeiten geschlossen und in den USA wurde der Presidents Day begangen.

Der SMI sank um 0,9 Prozent auf 8908 Punkte. In der Vorwoche hatte der Leitindex mit einem Kursplus von 3,5 Prozent die stärkste Woche seit Anfang Dezember 2016 verbucht.

Das Angstbarometer Volatilitätsindex notierte mit knapp 16 Punkten wieder etwas höher, lag aber deutlich unter den jüngst erreichten Höchstständen. Die Nervosität habe nachgelassen, da die Aktien inzwischen rund die Hälfte des jüngsten Kursrutsches wieder wettmachen konnten, hiess es in einem Marktkommentar der Credit Suisse.

Die Mehrheit der Standardwerte notierte schwächer. Der grösste Druck ging von den schwergewichtigen Pharmawerten Novartis und Roche aus, die gut ein Prozent einbüssten. Auch Nestle verlor gut ein Prozent. Damit war der grösste Teil des Indexrückgangs den drei Schwergewichten geschuldet. Händler sahen bei Nestle den als enttäuschend empfundenen Jahresbericht und damit in Zusammenhang stehende Kurszielsenkungen als Grund für die tieferen Kurse. Ausserdem droht dem Lebensmittelriesen neues Ungemach: Mit einem konzertierten Bestellstopp will der deutsche Einzelhandelsriese Edeka zusammen mit Partnern wie der Schweizer Supermarktkette Coop und der europäischen Händlerallianz Agecore laut "Lebensmittel Zeitung" bessere Einkaufskonditionen bei den Schweizern durchboxen.

Gefragt waren die Anteile von Versicherern. Swiss Re stiegen um 0,7 Prozent. Der japanische Mischkonzern Softbank würde einen Einstieg bei dem Rückversicherer selbst finanzieren und nicht über sein Investmentvehikel, berichtete die "Finanical Times". In den Gesprächen gehe es um einen Anteil von 20 bis 30 Prozent und mehrere Sitze im Verwaltungsrat. Softbank-Gründer Masayoshi Son werde Swiss-Re-Verwaltungsratschef Walter Kielholz in den kommenden Wochen treffen. Es erstaune nicht, dass Swiss Re Gegenstand von Spekulationen geworden sei, kommentierte ZKB-Analyst Georg Marti. Der Aktienkurs komme wegen der geringen Eigenmittelrendite seit längerem nicht vom Fleck. "Der Einstieg von Softbank wäre ein defensiver Schritt", so Marti.

Eine Kaufempfehlung der UBS schob die Aktien von Swiss Life 1,3 Prozent hoch. Helvetia stiegen nach der Hochstufung auf "Neutral" um 1,7 Prozent. Auch Baloise und Zurich reihten sich unter die Gewinner ein. Bankaktien rutschten ins Minus.

Auch Aktien von zyklischen Firmen wurden meist zu tieferen Kursen gehandelt. Der Elektrotechnikkonzern ABB, der Personalvermittler Adecco, die Prüffirma SGS und die Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch büssten an Terrain ein.

Am breiten Markt fielen die Aktien von Molecular Partners mit einem Kursplus von 1,5 Prozent auf. Die Pharmafirma hat Aussicht auf Meilensteinzahlungen von bis zu 320 Millionen Dollar, weil der Kooperationspartner Allergan eine Option zur Entwicklung und Vermarktung des Produktkandidaten DARPin gezogen hat.

Die Aktien von Orell Füssli sanken 0,9 Prozent. Die im Bereich Druck und Einzelhandel tätige Gruppe erwartet wegen einer Wertberichtigung auf einer Beteiligung weniger Gewinn.

(Reuters)