Politische Verunsicherung bremst Schweizer Anleger

Die Börse hat am Mittwoch leicht zugelegt. Die Anleger verhielten sich zurückhaltend. Das Geschäft verlief laut Händlern daher eher umsatzschwach.
14.03.2018 17:39

"Die Anleger fahren mit angezogener Handbremse", sagte ein Börsianer. "Richtige Kauffreude sieht anders aus", sagte ein anderer Händler. Der SMI notierte mit 8869 Punkten um 0,1 Prozent im Minus. Am Dienstag war der Leitindex um ein Prozent gesunken.

Händler sagten, die Angst vor einem globalen Handelskrieg und die zunehmenden Spannungen zwischen Grossbritannien und Russland sorgten für Verunsicherung auf dem Parkett. Wegen des Giftgas-Attentats auf einen ehemaligen russischen Doppelagenten geht das Königreich auf Konfrontationskurs zu Russland und hat Strafmassnahmen verhängt. 23 Diplomaten mit einem Geheimdienst-Hintergrund müssten binnen einer Woche nach Russland zurückkehren. Am Dienstag hatte bereits die Entlassung des US-Aussenminister Rex Tillerson die Märkte verunsichert.

Politische Börsen hätten zwar meist keinen nachhaltigen Einfluss. "Kurzfristig kann es aber trotzdem zu heftigen Kursausschlägen kommen", sagte ein Händler.

Die US-Konjunkturdaten beeinflussten das Geschäft nur wenig. Im Februar waren die US-Einzelhandelsumsätze überraschend zurückgegangen. Dies stütze die Annahme, dass die US-Notenbank (Fed) die Zinsen dieses Jahr nicht stärker erhöht als bislang angenommen, hiess es am Markt. "Der nächste Meilenstein ist in diesem Zusammenhang die Sitzung der US-Notenbank am 20./21. März, an der wir die erste von vier Zinserhöhungen dieses Jahres um 25 Basispunkte erwarten", kommentierte die Credit Suisse.

Bis auf wenige Ausnahmen beliefen sich die Kursausschläge bei den Standardwerten auf weniger als ein Prozent. Einen stärkeren Kursrückgang verbuchten die Aktien von Givaudan mit minus 2,7 Prozent. Händler sagten, der Aromen- und Duftstoffhersteller sei im Sog eines enttäuschenden Ergebnisses von Konkurrent Symrise unter Druck geraten.

Die Anteile von Swatch fielen trotz optimistischer Aussagen des Konzernchefs Nick Hayek zum laufenden Jahr um 2,4 Prozent. "Das dürften einige Anleger zum Anlass für Gewinnmitnahmen genommen haben", sagte ein Händler. Nach dem rekordstarken Monat Dezember habe das Absatzwachstum beim weltgrössten Uhrenherstellers im Januar, Februar und März angehalten. "Ich sehe keinen Grund, warum die positiven Verkaufstrends im laufenden Jahr nicht weitergehen sollten", sagte Hayek auf der Bilanzpressekonferenz in Biel.

Leicht stützend für den Gesamtmarkt erwiesen sich die SMI-Schwergewichte Nestle und Novartis mit Kurszuwächsen von 0,2 Prozent. Bei den Bankaktien schmolzen die Gewinne im Verlauf ab. Während sich Julius Bär praktisch halten konnten, rutschten UBS und Credit Suisse in den roten Bereich. Konzernchef Tidjane Thiam will auch nach mehreren Verlustjahren in Folge nicht hinwerfen. "Für mich persönlich ist es ein Privileg, Credit Suisse zu führen, und das werde ich auch weiterhin tun", sagte er der "Finanz und Wirtschaft".

Versicherungswerte zeigten sich uneinheitlich: Swiss Re schwächten sich um 0,7 Prozent ab, Helvetia gewannen 0,7 Prozent.

Die Kursgewinne bei den Anteilen zyklischer Firmen gingen im Verlauf zu einem Grossteil verloren. Die Aktien von ABB, Clariant und SGS rutschten ins Minus. Adecco, Geberit und LafargeHolcim konnten sich in der Gewinnzone halten.

Am breiten Markt sanken die Aktien von Vifor um 2,1 Prozent. Der Arzneimittelhersteller will am Donnerstag die Jahresbilanz veröffentlichen. Die Papiere der Duty-Free-Shop-Kette Dufry und des Spezialchipherstellers U-blox legten am Tag vor der Bilanzvorlage 0,9 und 1,3 Prozent zu.

Die Aktien von Aryzta fielen um 2,3 Prozent. Die Analysten von Baader Helvea haben das Kursziel auf 25 von 32 Franken gesenkt und die Empfehlung "Hold" bekräftigt. Der Backwarenhersteller hat dieses Jahr bereits 40 Prozent an Wert verloren.

(Reuters)