Schweizer Anleger bleiben nach US-Job-Daten vorsichtig

Die Anleger an der Schweizer Börse haben sich am Freitag weiter vorsichtig verhalten. Der anhaltende Handelsstreit der USA mit anderen Ländern trübte die Stimmung.
07.09.2018 17:35

Auch der unerwartet starke Bericht vom US-Arbeitsmarkt konnte die Anleger nicht aus der Deckung locken, sagten Händler.

Der Leitindex notierte mit 8843 Zählern um 0,3 Prozent höher. Damit steuert der SMI mit einem Minus von rund 1,6 Prozent auf die schwächste Woche seit mehr als drei Monaten zu.

In den USA wurden im August 201'000 neue Stellen geschaffen, Analysten hatten mit 191'000 gerechnet. Damit sei eine Zinserhöhung im September eine ausgemachte Sache, sagte Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank. Die Fed hatte nach einer Zinserhöhung im Juni zwei weitere Schritte bis Ende Jahr signalisiert.

Trotz der brummenden Konjunktur sei der Risikoappetit der Anleger gering, sagte ein Händler. "Die Furcht vor einer Eskalation des Handelsstreits lähmt die Anleger", erklärte ein Börsianer. US-Präsident Donald Trump hat mit neuen Zöllen auf chinesische Importe im Volumen von 200 Milliarden Dollar gedroht. Auch will Trump laut einem Bericht des Fernsehsenders CNBC den Handel mit Japan auf den Prüfstand stellen.

"Positiv ist, dass wir bisher noch keine Meldung über die Zölle erhalten haben", sagte ein Händler. "Aber die Erwartung, dass eine Ankündigung jederzeit über die Nachrichtenticker laufen könnte, lastet schwer auf der allgemeinen Marktstimmung."

Die Anleger gingen auf Nummer sicher. Gefragt waren Titel mit einem wenig konjunkturempfindlichen Geschäftsmodell. Die Papiere des Pharmariesen Roche und des Nahrungsmittelherstellers Nestle gewannen 1,2 und 0,4 Prozent. Der Indexanstieg war damit zu einem Grossteil den beiden Schwergewichten geschuldet. Fester notierten mit den Aktien des Pharmazulieferers Lonza und des Duft- und Aromenproduzenten Givaudan weitere defensive Titel.

Knapp ein Prozent im Minus lagen die Aktien der Grossbanken UBS und Credit Suisse, die bereits am Donnerstag unter Druck standen. Credit Suisse-Konzernchef Tidjane Thiam will nicht in die Politik seines Heimatlands, der Elfenbeinküste, einsteigen und sieht den Job an der Spitze des zweitgrössten Schweizer Instituts als "langfristiges Engagement".

Zyklische Firmen waren meist schwächer. Die Papiere der baunahen Firmen Geberit und Sika aber zogen an.

Bei den kleineren Titeln verloren Schmolz+Bickenbach 4,6 Prozent. Der Stahlkonzern hat einen US-Regierungsauftrag im Wert von 420 Millionen Dollar verloren.

Die Aktien von Oerlikon sackten um 2,2 Prozent auf 13.50 Franken ab. Credit Suisse hat das Kursziel auf 16 von 17 Franken gesenkt. Das Rating lautet "Neutral". Die Absetzung der Kaufempfehlung liess die Aktien von Dormakaba um 2,5 Prozent fallen. Kepler Cheuvreux stufte die Anteile der Schliesstechnikfirma auf "Hold" von "Buy" herab.

Auf den Kaufzetteln standen kleinere Gesundheitswerte. Idorsia kletterten 4,4 Prozent, Newron 2,2 Prozent.

Die Papiere von Ceva Logistics sackten um 6,3 Prozent ab. Auf einer Investorenpräsentation bestätigte der Logistikkonzern das mittelfristige Ziel einer Ebitda-Marge von vier Prozent. "Seit dem Börsengang im Frühling tendiert der Titel abwärts", sagte ein Händler enttäuscht.

(Reuters)