Schweizer Anleger gehen vor Ostern auf Nummer sicher

An der Schweizer Börse ist am Donnerstag der jüngste Aufwärtstrend abgerissen. Gewinnmitnahmen lasten auf den Aktienkursen.
13.04.2017 17:55

Der Leitindex SMI sinkt um 0,4 Prozent auf 8629 Punkte. Die Anleger gingen vor den Osterfeiertagen - am Karfreitag und Ostermontag bleibt der Aktienmarkt in Zürich und viele andere Börsenplätze geschlossen - auf Nummer sicher und strichen ihre Gewinn ein. "Die Spannung um Nordkoreas Atomprogramm und die Syrien-Krise fungieren weiterhin als Bremsklotz", erklärt ein Marktteilnehmer. Angesichts der weltpolitischen Lage und Fragezeichen hinter der US-Geldpolitik halte die Fluchtbewegung in "sichere Häfen" wie Gold an. Das Angstbarometer Volatilitätsindex steigt um 2,4 Prozent.

Händler hoffen nun auf positive Impulse von der anlaufenden Quartalsberichterstattung. "Ab nächster Woche stehen wir mitten in der Zahlensaison", erklärt ein Börsianer. "Es könnte also völlig aus dem Nichts heraus auch plötzlich eine starke Bewegung nach oben geben." In den USA startet die Bilanzsaison bereits mit den Zahlen der Grossbanken J.P. Morgan, Citigroup und Wells Fargo. J.P. Morgan und Citigroup profitierten von steigenden Leitzinsen, die vor allem den Handel mit festverzinslichen Wertpapieren kräftig ankurbelten. Der Gewinn stieg bei den beiden Instituten im ersten Quartal um 17 Prozent und damit stärker als von Analysten erwartet. Wells Fargo dagegen verdiente leicht weniger.

Trotzdem sinken die Aktien der Credit Suisse und der UBS um 0,9 und 0,6 Prozent. Ihnen machen die jüngsten Äusserungen des US-Präsidenten zu schaffen. Donald Trump bezeichnete in einem Interview des "Wall Street Journal" den Dollar als zu stark und lobte zugleich die Niedrigzinspolitik der US-Notenbank. Börsianer spekulierten, ob Trump Fed-Präsidentin Janet Yellen mit seinem Lob und der Aussicht auf eine zweite Amtszeit von der Straffung der Geldpolitik abhalten will. Tiefe Zinsen schmälern tendenziell die Gewinne der Banken.

Auch Zykliker unter Druck

Doch auch den Kursen konjunkturzyklischer Unternehmen setzen Trumps Aussagen zu. Eine schwächere US-Währung würde die Exportchancen von europäischen Unternehmen verschlechtern. Die Aktien des Zementkonzerns Lafarge-Holcim, der Sanitärtechnikfirma Geberit und des Personaldienstleisters Adecco geben nach. Auch der nach einem starken Auftaktquartal des Branchenprimus LVMH zuletzt gefragte Luxusgüterwert Richemont gehört zu den Verlierern. Die Swatch-Aktien dagegen steigen geringfügig.

Die ABB-Aktien sinken am Tag der Generalversammlung um 0,5 Prozent auf 22,99 Franken. Jefferies reduzierte das Kursziel für den Elektrotechnikkonzern auf 17,65 Franken und bekräftigte die Empfehlung "Underperform".

Die Anteile von Swiss Re sinken um 0,4 Prozent. Der tropische Wirbelsturm "Debbie", der Ende März über Australien gefegt war, kommt den Rückversicherer teuer zu stehen. Die Nummer zwei der Branche rechnet mit einer Schadensbelastung von 350 Millionen Dollar.

Neben Swatch erzielten bei den Bluechips nur noch der Prüfkonzern SGS und Syngenta leichte Kursgewinne. Chem China verlängerte das Übernahmeangebot für Syngenta noch bis 4. Mai. Am Vortag hatte die chinesischen Wettbewerbswächter dem 43 Milliarden Dollar schweren Deal zugestimmt. Neben den jüngsten kartellrechtlichen Genehmigungen der USA und der Europäischen Union galt das Verdikt der chinesischen Behörde Mofcom als massgeblich für das Zustandekommen der Transaktion.

Tornos nach Quartalszahlen mit kleinem Kursfeuerwerk

Bei den Nebenwerten schnellen die Tornos-Aktien 11 Prozent hoch. Der Maschinenbauer verzeichnete im ersten Quartal eine deutlich höhere Nachfrage.

Die Aktien der GAM Holding reagieren mit einem Kursplus von 0,8 Prozent darauf, dass der aktivistische Investor RBR Rückendeckung vom einflussreichen US-Stimmrechtsberater ISS bekommt.

Gefragt bleibt Von Roll nach den jüngst starken Quartalszahlen. Die Aktien des Isolatorenherstellers schnellen weitere 17 Prozent hoch.

Die Gurit-Anteile sinken um 3 Prozent. Der Umsatz des Spezialkunststoffherstellers blieb im ersten Quartal mit 87,4 Millionen Franken in etwa auf dem Niveau der Vorjahresperiode und verfehlte damit die Markterwartungen.

(Reuters)