Schweizer Börse dreht nach EZB-Beschlüssen in die Gewinnzone

Die Schweizer Börse hat am Donnerstag anfängliche Verluste mehr als wettgemacht und ist klar in die Gewinnzone vorgestossen.
14.06.2018 17:35

Händler sagten, die Aussicht auf weiterhin tiefe Zinsen in der Euro-Zone habe den Anlegern Mut gemacht. Zusätzliche Unterstützung erhielten Dividendenpapiere vom anziehenden Dollar. Der SMI, der zunächst bis 8564 Zähler gefallen war, stieg um 0,7 Prozent auf 8691 Punkte.

Die Europäische Zentralbank beliess die Leitzinsen wie erwartet unverändert. Sie will aber bis über den Sommer 2019 hinaus nicht an den an rekordniedrigen Zinsen rütteln, wie sie am Donnerstag ankündigte. Das Anleihenkaufprogramm soll ab Oktober gedrosselt und per Ende Jahr eingestellt werden.

"Die Neuigkeit ist die unerwartete Klarheit. Es kommt etwas überraschend, dass sich die EZB so derart weit aus dem Fenster lehnt", erklärte der Chefvolkswirt der Berenberg Bank, Holger Schmieding. "Indem er eine Zinspolitik für einen so langen Zeitraum signalisiert, hat Mario Draghi eine mögliche Quelle der Unsicherheit beseitigt oder zumindest gedämpft", sagte Sandra Holdsworth von Kames Capital. Dies sollte sowohl den Anleihen- als auch den Aktienbörsen zugutekommen.

Dass die US-Notenbank am Mittwoch dagegen eine restriktivere Geldpolitik in den USA in Aussicht gestellt hatte, sei nach der EZB-Pressekonferenz ein wenig in den Hintergrund getreten, sagte ein Händler.

Bis auf die schwergewichtigen Nestle-Aktien, Sika und Richemont notierten alle Standardwerte in der Gewinnzone. Nestle fielen um 0,2 Prozent. Die Kursschwäche könnte mit dem Eurex-Verfall am Freitag zusammenhängen, sagte ein Händler. Nach dem Verfall werde zudem der SMI neu berechnet. Dabei werde die Gewichtung von Nestle leicht reduziert, erklärte ein Händler. Börsianer verwiesen zudem auf die deutlich nachgebenden Unilever-Aktien. Der Nestle-Konkurrent sagte auf einer Präsentation, der LKW-Fahrer-Streik in Brasilien beinträchtige die Verkäufe stärker als erwartet.

Die beiden anderen SMI-Riesen Novartis und Roche glichen Verluste mehr als aus. Novartis stieg um 1 Prozent und Roche gewannen 0,9 Prozent. Die Behandlung mit dem Roche-Multiple-Sklerose-Medikament Ocrevus schiebt bei Patienten mit primär progredienter multipler Sklerose (PPMS) den Zeitpunkt, ab dem sie auf einen Rollstuhl angewiesen sind, um sieben Jahre hinaus. Zudem kann der Pharmariese sein Krebsmedikament Avastin in den USA künftig breiter einsetzen. Die Arzneimittelbehörde FDA liess das Präparat in Kombination mit einer Chemotherapie zur Behandlung von Eierstockkrebs nach vorangegangener Operation zu.

Swatch stiess im Verlauf leicht in die Gewinnzone vor, der Luxusgüterhersteller Richemont musste leichte Einbussen hinnehmen. Aktien anderer zyklischer Firmen zogen stärker an. ABB und Adecco gewannen 1,6 und 1,3 Prozent und SGS und Geberit legten 0,7 und 1,4 Prozent zu.

Die Aktien der Grossbanken erfreuten sich ebenfalls steigender Nachfrage. Credit Suisse und UBS sowie der Vermögensverwalter Julius Bär rückten jeweils 0,9 Prozent vor. Die Versicherer tendierten ebenfalls höher.

Am breiten Markt setzten die Aktien von Meyer Burger den Abwärtstrend um 4,6 Prozent  fort. Die ZKB nahm die Empfehlung für Meyer Burger auf "Marktgewichten" von "Übergewichten" zurück und nannte einen fairen Wert von 1,24 Franken. Die Bank reduzierte ihre Gewinnschätzungen wegen der Änderungen in der chinesischen Subventionspolitik. Die Analysten der Credit Suisse reduzierten das Kursziel auf 1,10 von 1,40 Franken. Die Empfehlung lautet auf "Neutral".

Die Aktien von Ceva Logistics legten mit Unterstützung von Kaufempfehlungen von Berenberg, UBS und Morgan Stanley 1,5 Prozent auf 25,605 Franken zu. Damit notieren sie aber weiterhin unter dem Emissionspreis von 27,50 Franken, zu dem der Titel Anfang Mai an die Börse gekommen war.

(Reuters)