Schweizer Börse erobert Zone um 8800 Punkte zurück

Die Schweizer Börse hat am Dienstag auf breiter Front schwächer tendiert. Die Angst vor einer Eskalation der Nordkorea-Krise und der nachgebende Dollar belasteten laut Händlern die Kurse.
29.08.2017 17:39

Im späten Geschäft grenzten sich die Verluste nach der Veröffentlichung des höher als erwarteten US-Verbraucher-Vertrauens aber wieder etwas ein. Der Leitindex SMI notierte mit 8815 Punkten noch um 0,6 Prozent schwächer. Kurzzeitig war der Leitindex bis auf 8750 Punkte gefallen - der tiefste Stand seit gut vier Monaten.

Nordkorea feuerte am Dienstagmorgen eine Rakete ab, die über Japan hinweg flog und in den Pazifik stürzte. US-Präsident Donald Trump bezeichnete die Führung in Pjöngjang als zunehmende Bedrohung für die Welt und schloss erneut eine militärische Antwort nicht aus.

Marktteilnehmer hoffen, dass die Verwerfungen kurzfristiger Natur sind. "Üblicherweise haben politische Börsen kurze Beine", sagte ein Händler. Positiv wäre, wenn der SMI sich wieder in die seit einigen Monaten gültige Handelsspanne von 8800 bis 9200 Punkten erholen könnte. "Wenn wir uns nicht wieder über 8800 Zähler schwingen, könnte sich die Tradingrange für die kommenden Monate nach unten in Richtung 8500/8600 bis 8800 Punkte verschieben", sagte ein Börsianer. Die Chartexperten der Zürcher Kantonalbank (ZKB) sehen den mittelfristigen Aufwärtstrend intakt, solange die 200-Tage-Durchschnittslinie, die aktuell bei 8700 Punkten verläuft, nicht unterschritten wird.

Neben der Nordkorea-Krise galt das Augenmerk Händlern zufolge "Harvey". JP Morgan schätzt die versicherten Schäden durch den Tropensturm bis zu 20 Milliarden Dollar, womit "Harvey" zu einem der zehn teuersten Wirbelstürme der US-Geschichte werden könnte. Er wäre damit für die Versicherer aber weniger kostspielig als Hurrikan "Katrina", der 2005 New Orleans verwüstete und die Branche 75 Milliarden Dollar kostete. Die Aktien von Swiss Re und Zurich büssten jeweils 1,7 Prozent ein. Aber auch die Anteile von Baloise, Helvetia und Swiss Life verloren. "Der Branche machen aber auch zunehmend die erneut tieferen Anleihenrenditen zu schaffen", sagte ein Händler.

Auch die Bankaktien gerieten wegen der mageren Renditen unter die Räder. Credit Suisse verloren 2,5 Prozent an Wert und UBS 1,8 Prozent. Überdurchschnittliche Einbussen verzeichneten die Aktien der Cembra Money Bank mit 2,2Prozent Abschlag. Credit Suisse hat den Titel der Konsumkreditbank von der Empfehlungsliste "High Conviction Ideas" abgesetzt, hält allerdings an der Empfehlung "Outperform" fest.

Eine gewisse Stütze für den Markt bildeten die als krisenresistent geltenden und schwergewichtigen Nestle-Aktien mit einem Kursplus von 0,3 Prozent. Die Aktien des Pharmakonzerns Novartis schwächten sich um 0,3 Prozent ab und Roche ermässigten sich ebenfalls um 0,3 Prozent.

Bei den zyklischen Bluechips verbuchten die Anteile des Zementkonzerns LafargeHolcim mit einem Minus von 1,9 Prozent den grössten Verlust. Die Titel von Geberit, SGS und Swatch verloren unter einem Prozent. ABB sackten um 1,7 Prozent ab.

Am breiten Markt stachen die Implenia-Aktien mit einem Kursgewinn von 2,3 Prozent heraus. Credit Suisse hat die Analyse des Baukonzerns mit der Empfehlung "Outperform" aufgenommen.

Die Aktien von Vetropack büssten 3,7 Prozent ein. Zwar steigerte der Glasverpackungs-Hersteller den Halbjahresgewinn um 1,2 Prozent auf 24,7 Millionen Franken und erwartet im Gesamtjahr eine leichte Steigerung der Nettoerlöse. Allerdings wurde im Markt noch mehr erwartet, sagte ein Händler.

Um fünf Prozent tiefer gehandelt wurden die Titel des Flughafens Zürich. Die Firma erwartet 2017 ein Ergebnis im Rahmen des Vorjahres. "Das ist leicht enttäuschend", sagte ein Börsianer. Die Aktien des Verlagshauses Tamedia hielten sich dank eines gut aufgenommenen Zwischenberichts leicht im Plus.

(Reuters)