Schweizer Börse gibt Gewinne ab - Roche belastet

Die Schweizer Börse hat am Freitag nach einer freundlichen Eröffnung die Gewinne im Verlauf wieder preisgegeben.
14.09.2018 12:22

 "Die Anleger wollen vor dem Wochenende keine neuen Risiken eingehen. Daher ebbten die Anschlusskäufe ab und die Kurse rutschten ins Minus", sagte ein Händler. Zusätzlich belasteten Abgaben in den schwergewichtigen Roche-Genussscheinen den Gesamtmarkt.

Der SMI ermässigte sich um 0,1 Prozent auf 8952 Punkte. Am Donnerstag hatte der Leitindex stabil geschlossen. Im Wochenvergleich ergibt sich dagegen ein Plus von 1,2 Prozent.

Die Marktteilnehmer hofften, dass es im amerikanisch-chinesischen Handelsstreit zu einer Lösung kommt. "Das könnte den Weg freimachen für einen Anstieg des SMI über die technisch und psychologisch wichtige Hürde von 9000 Punkten", sagte ein Börsianer. Die USA hatten China zu neuen Gesprächen über die Beilegung des Handelsstreits eingeladen.

Die anfänglich gute Stimmung der Anleger wurde laut Händlern von Äusserungen des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan getrübt. Erdogan kritisierte die Notenbank, die am Donnerstag gegen den erklärten Wunsch des Staatschefs den Schlüsselsatz deutlich angehoben hatte. Seine Geduld habe Grenzen, sagte er am Freitag über die Zinspolitik der Währungshüter.

Am Nachmittag dürften die US-Konjunkturdaten den Märkten frischen Wind einhauchen. Veröffentlicht werden vor allem die US-Einzelhandelsumsätze und das Verbrauchervertrauen.

Bei den Bluechips hielten sich die Kurausschläge in Grenzen. Der Genussschein von Roche sank um 0,8 Prozent. Wegen der stark anziehenden Konkurrenz durch Nachahmermedikamente für drei milliardenschwere Krebspräparate greift der Pharmariese zum Rotstift. Roche droht bis 2022 eine Umsatzlücke von schätzungsweise zehn Milliarden Dollar. "Wenn man eine derart starke Verschiebung im Portfolio hat wie wir jetzt, dann muss man Ressourcen natürlich in einer mehr dramatischen Weise umverteilen", sagte Roche-Konzernchef Schwab zu Reuters.

Die Aktien von Rivale Novartis stiegen dagegen um 0,2 Prozent. Die Papiere von Nestle, einem weiteren Schwergewicht, waren um 0,1 Prozent höher.

Gewinne verzeichneten die Anteile der Luxusgüterwerte Richemont und Swatch mit 0,7 und 1,3 Prozent Anstieg. Gefragt waren auch die Anteile von ABB. Sie stiegen um 0,4 Prozent auf 23,35 Franken. SocGen hat den Titel des Elektrotechnikkonzerns auf "Buy" von "Hold" und das Kursziel auf 26,50 von 23,50 Franken erhöht.

LafargeHolcim verloren 0,3 Prozent auf 44,91 Franken. Vontobel hat das Kursziel auf 53 von 58 Franken gesenkt.

Die Anteile der Banken Credit Suisse und UBS rückten um 0,2 Prozent vor. SNB-Präsident Thomas Jordan hat sich für eine Überprüfung der im Nachgang der Finanzkrise eingeführten internationalen Regulierung bei Banken ausgesprochen. "Nach zehn Jahren ist es sicher legitim zu überprüfen, ob gewisse Regulierungen allenfalls unnötig sind und wie die Regulierungskosten optimiert werden könnten", sagte er in einem Interview mit der "NZZ". "Etwas weniger Regulierung täte der Branche bestimmt gut", sagte ein Händler.

Die Aktien von Aryzta büssten 3,5 Prozent ein. Der Backwarenhersteller hat sich mit seinen Kreditgebern im Zusammenhang mit den geplanten Kapitalmassnahmen auf neue Kreditbedingungen geeinigt. Doch erwächst der Kapitalerhöhung von bis zu 800 Millionen Euro Opposition. Gregor Joos und seine Beteiligungsgesellschaft Larius Capital schlagen gemäss Medienberichten anstelle der Kapitalerhöhung den Verkauf des US-Geschäfts und der Beteiligung am französischen Tiefkühlproduktehersteller Picard vor. "Dieses Störmanöver könnte die Sanierung der Firma behindern wenn nicht gar gefährden", sagte ein Händler. (Reporter: Rupert Pretterklieber; redigiert von Oliver Hirt)

(Reuters)