Schweizer Börse legt nach EZB-Beschlüssen leicht zu

Die Aussicht auf weiterhin tiefe Zinsen und eine lockere Geldpolitik in Europa haben der Schweizer Börse am Donnerstag leicht Auftrieb verliehen.
07.09.2017 17:33

Die Anleger zeigten sich unschlüssig und die Kurse schwankten in einer engen Spanne auf und ab. Der SMI notierte zuletzt 0,5 Prozent höher auf 6907 Punkten.

"Der Zeitpunkt wird kommen, an dem die EZB die Zinsen anzieht, das ist klar. Aber nur wissen wir nicht wann und das verunsichert die Marktteilnehmer", sagte ein Händler.

Die Europäische Zentralbank (EZB) beliess wie erwartet die Leitzinsen unverändert bei Null Prozent. EZB-Chef Mario Draghi äusserte sich nicht zum Zeitpunkt des Ausstiegs aus der ultralockeren Geldpolitik. Er sagte auf der Pressekonferenz im Anschluss an die Veröffentlichung des Zinsentscheids, die Notenbank werde im Herbst über die Anpassung der Geldpolitik über 2017 hinaus entscheiden..

"Die Währungshüter zögern die Entscheidungen weiter hinaus", sagte Daniel Hartmann von der Bantleon Bank. Er rechne weiter damit, dass die EZB ihr Anleihenkaufprogramm bis Herbst 2018 auf Null zurückführt.

Die Standardwerte tendierten mehrheitlich fester. Die Aktien des Duft- und Aromenherstellers Givaudan und der Bauchemiefirma Sika stiegen um 1,7 und 2,1 Prozent. Die Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch gewannen 1,5 Prozent an Wert und der Pharmazulieferer Lonza rückte um 1,4 Prozent vor.

LafargeHolcim schüttelte eine Verkaufsempfehlung von Barclays ab und die Aktien stiegen um 0,5 Prozent auf 56,20 Franken. Die Analysten der britischen Grossbank nahmen die Empfehlung für den Zementproduzenten auf "Underweight" von "Equal-Weight" zurück, das Kursziel lautet auf 53 Franken.

Die Index-Schwergewichte legten zu. Nestle gewann 0,4 Prozent an Wert. Der Lebensmittelkonzern steigt mit der Übernahme der US-Firma Sweet Earth in das Geschäft mit vegetarischen Lebensmitteln ein. Die Pharmawerte Novartis und Roche stiegen um 1,1 und 0,6 Prozent.

Auf der Verliererseite zu finden waren Finanzwerte. Die Anteile des Rückversicherers Swiss Re sanken um ein Prozent. Händler verwiesen auf den verheerenden Hurrikan "Irma", der kurz nach dem Wirbelsturm "Harvey" Kurs auf die USA nimmt und den Bundesstaat Florida bedroht. Die Banken Credit Suisse und Julius Bär verloren 0,8 und 0,2 Prozent an Wert. Die UBS-Aktien konnten sich leicht im Plus halten.

Am breiten Markt stiegen die Aktien der Jungfraubahn Holding um 4,5 Prozent. Der Bergbahn- und Hotelbetreiber steigerte den Gewinn im ersten Halbjahr um 60 Prozent auf 17 Millionen Franken. Die Zahl der Besucher des Jungfraujochs schoss um fast ein Viertel auf knapp 465.000 hoch.

Die Titel von Myriad rückten um 28,6 Prozent vor. Der Finanzinvestor Martin Ebner und seine Frau haben ihre Beteiligung an der Softwarefirma Myriad aufgestockt und kontrollieren seit dem 1. September 61,4 Prozent der Anteile.

Die AMS-Anteile stiegen um 6,8 Prozent. Händler sprachen von Käufen vor dem Marktstart des iPhone 8, das demnächst vorgestellt werden soll. AMS ist Apple-Zulieferer. Zudem empfiehlt die Deutsche Bank die Titel der Spezialchip- und Sensorfirma mit Kursziel 90 Franken zum Kauf. AMS erwägt die Beschaffung von frischem Kapital. Details wurden für 8. September in Aussicht gestellt.

Im Sog der anziehenden europäischen Automobilaktien griffen die Anleger zu Autoneum, Fischer, Feintool und Adval Tech.

(Reuters)