Schweizer Börse setzt Konsolidierung fort - Nestle belastet

Gewinnmitnahmen haben am Mittwoch die Schweizer Börse belastet. Im Fahrwasser besserer Daten vom US-Immobilienmarkt und der im frühen Geschäft stabilen Wall Street wurden die Verluste wieder etwas eingegrenzt.
21.06.2017 17:36

Die Zuversicht der Anleger sei aber geschwunden, sagten Marktteilnehmer. "Wir sind mehrfach beim Anstieg auf den Kursgipfel leicht unter dem Ziel gescheitert", sagte ein Händler. Der SMI, der zunächst bis 8932 Zähler gefallen war, notierte zuletzt um 0,4 Prozent tiefer auf 8986 Punkten. Das Angstbarometer der Börse, der Volatilitätsindex, stieg um mehr als sechs Prozent.

Für Verunsicherung sorgten zusätzlich fallende Rohstoff- und Erdölpreise. Manch ein Marktteilnehmer sehe in den sinkenden Preisen Vorboten für eine Konjunkturabschwächung. "Das Kursniveau ist relativ hoch. Da kommt der sinkende Ölpreis als Begründung für Gewinnmitnahmen gerade recht", sagte ein anderer Händler.

Bei den Standardwerten büsste der Uhrenhersteller Swatch 0,7 Prozent ein. Die Anteile von Rivale Richemont fielen um 0,3 Prozent. "Am Donnerstag werden die Uhrenexportzahlen für Mai veröffentlicht. Die Anleger wollen auf Nummer sicher gehen und streichen Gewinne ein", sagte ein Händler. Im April waren die Ausfuhren von Uhren wertmässig kräftig zurückgegangen. Swatch zählt mit einem Kursgewinn seit Jahresanfang von fast einem Fünftel zu den am stärksten gestiegenen Bluechips.

Der stärkste Druck auf den Leitindex ging von den schwergewichtigen Nestle-Aktien aus, die nach einem Rekordhoch am Dienstag um 1,4 Prozent tiefer notierten.

Unter Abgabedruck standen die Versicherungsaktien Swiss Life, Zurich und Swiss Re. Die fallenden Rohstoffpreise schürten Sorgen vor einer wieder sinkenden Inflation, womit den Notenbanken die Argumente für eine Straffung der Geldpolitik abhandenkommen würden, sagte ein Händler. Daher seien die Renditen an den Anleihemärkten wieder gesunken. "Und tiefere Renditen machen den Finanzfirmen das Leben schwer."

Die Aktien der Grossbanken holten die Kursabschläge zum Teil auf. Credit Suisse notierten gar 0,3 Prozent höher, während die Anteile der UBS gar 0,4 Prozebnt im Plus lagen.

Die Pharmawerte tendierten uneinheitlich: Novartis stiegen dank positiver Nachrichten minim. Roche dagegen verloren 0,3 Prozent. Die europäische Arzneimittelbehörde EMA hat den Zulassungsantrag für das Novartis-Medikament AMG334 zur Behandlung von Migräne angenommen. Die ZKB geht von einem jährlichen Spitzenumsatz von mehr als einer Milliarde Dollar aus.

Bei den zyklischen Firmen stemmte sich die Bauchemiefirma Sika mit einem Kursgewinn von 1,7 Prozent gegen den Abwärtstrend. Die Anteile des Zementherstellers LafargeHolcim notierten auf dem Vortagsniveau. Der Pharmazulieferer Lonza gewann 1 Prozent.

Die Aktien von ABB stiegen nach anfänglichen Kursabschlägen um 0,5 Prozent. Der Elektrokonzern soll einem Bericht der Zeitung "The Economic Times" zufolge am Elektro- und Automatisierungs-Geschäft der indischen Firma Larsen & Toubro interessiert sein. Der Transaktionswert wurde auf bis 2,7 Milliarden Dollar veranschlagt. Ein ABB-Sprecher wollte sich dazu nicht äussern.

Am breiten Markt stach Kuros mit einem Kurssprung von rund 11 Prozent heraus. Die auf Wundheilung und Geweberegeneration spezialisierte Firma kann das Produkt Neuroseal, einen neuartigen Hirnhautverschluss, nach dem Erhalt der CE-Zertifizierung in Europa vertreiben.

Die Aktien von Oerlikon zogen 1,6 Prozent an. Der Anlagenbauer und die zu General Electric gehörende Firma GE Additive haben eine Zusammenarbeit im Bereich 3D-Druck vereinbart. Finanzielle Details wurden nicht genannt.

Die Anteile von Goldbach Media stiegen um 2,6 Prozent. Der Chef der Werbefirma, Michi Frank, stellte in einem Interview der "Finanz und Wirtschaft" mehr Gewinn in Aussicht.

(Reuters)