Schweizer Börse zieht an - SNB-Beschluss beeindruckt kaum

Die Schweizer Börse hat am Donnerstag angezogen. Der Leitindex knackte die psychologisch wichtige 9000er-Marke.
20.09.2018 17:36

Der SMI stieg um 0,7 Prozent auf 9001 Punkte.

Getragen wurde der Markt von starken Konjunkturzahlen aus den USA, den anziehenden Renditen der US-Staatsanleihen und der Hoffnung auf eine Beilegung des US-chinesischen Handelsstreits. An der Wall Street erreichten die Indizes neue Höchstkurse. Händler sprachen von anziehenden Umsätzen. Das dürfte allerdings zu einem guten Teil dem bevorstehenden Quartalsverfall an der Derivatebörse Eurex zuzuschreiben sein. "Vor und am Hexensabbat sind die Umsätze immer gross", sagte ein Händler.

Die weithin erwartete Entscheidung der Schweizerischen Nationalbank (SNB), die Zinsen nicht zu verändern, beeindruckte den Markt Börsianern zufolge kaum. Sie wiesen aber darauf hin, dass die SNB wegen des starken Frankens ihre Inflationsprognose gesenkt hat. Manche Ökonomen halten angesichts der brummenden Wirtschaft und der tiefen Inflation eine Leitzinserhöhungen für überfällig. "Das ist eigentlich kein Umfeld für Negativzinsen", erklärte etwa Daniel Hartmann von der Bantleon Bank.

An die Spitze der Standardwerte setzten sich die Aktien der Grossbanken Credit Suisse und UBS sowie des Vermögensverwalters Julius Bär mit Kursanstiegen von bis zu drei Prozent. Ihnen half laut Händlern der Anstieg der Anleihenrenditen. Auch Versicherungstitel legten mehrheitlich zu, hinkten den Banken aber hinterher.

Die Nestle-Aktien stiegen um 1 Prozent. Der Lebensmittelkonzern stellt einen weiteren Geschäftsbereich auf den Prüfstand. Das zukünftige Wachstumspotenzial des Hautgesundheitsgeschäfts Nestle Skin Health liege zunehmend ausserhalb der strategischen Stossrichtung des Unternehmens. Der Prozess solle bis Mitte 2019 abgeschlossen sein. Der Bereich erwirtschaftete 2017 einen Umsatz von rund 2,7 Milliarden Franken. "Konzernchef Mark Schneider schlägt ein gutes Tempo an mit seiner Strategie", sagte ein Händler. "Das dürfte nicht der letzte Schachzug gewesen sein."

Erneut schwächer waren die Aktien von Adecco mit einem Kursabschlag von 1,6 Prozent. Der Personalvermittler konnte auf einem Investorentag am Mittwoch die Anleger nicht überzeugen. Die CFRA-Analysten senkten ihre Empfehlung auf "Buy" von "Strong Buy" und Mainfirst rät neu zum Verkauf der Aktien. Credit Suisse reduzierte das Rating auf "Neutral" von "Outperform".

Von den schwergewichtigen Pharmatiteln war Novartis gehalten und Roche schwächten sich um 0,6 Prozent ab.

Aktien von zyklischen Firmen tendierten meist höher. Die Anteile der Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch zogen um 2,1 und 1,4 Prozent an. Händler verwiesen auf den Anstieg der Uhrenexporte im August. Vor allem die Hauptmärkte China, Hongkong und die USA entwickelten sich stark.

Am breiten Markt stiegen die Addex-Aktien um 6 Prozent. Die Pharmafirma hat vom Wellcome Trust einen Zuschuss von 1,2 Millionen Pfund erhalten.

Spekulative Käufe schoben die Evolva-Aktien um 4 Prozent hoch.

Die Aktien von Dormakaba sanken um 3,3 Prozent. Die Schliesstechnikfirma hat in den vergangenen vier Wochen rund ein Fünftel an Wert gewonnen.

(Reuters)