Schwergewicht Nestle hält Schweizer Börse im Plus

Die Schweizer Börse hat sich am Mittwoch seitwärts bewegt. Dass der Markt den anderen europäische Handelsplätze nicht ins Minus folgte, ist dem Index-Schwergewicht Nestle geschuldet.
28.06.2017 12:40

Zürich, 28. Jun (Reuters) - Die Schweizer Börse hat sich am Mittwoch seitwärts bewegt. Dass der Markt den anderen europäische Handelsplätze nicht ins Minus folgte, ist dem Index-Schwergewicht Nestle geschuldet. Die Aktien des Lebensmittelkonzerns stiegen nach der Ankündigung eines milliardenschweren Aktienrückkaufs kräftig. Der SMI notierte mit 9074 Punkten praktisch auf dem Vortagsniveau.

Negative Vorgaben aus den USA und aus Fernost sowie der nachgebende Dollar trübten die Stimmung, hiess es am Markt. Die schwache US-Devise trübe die Aussichten für die Exportindustrie, sagten Händler. Zudem hinterfragten manche Anleger das hohe Kursniveau der US-Technologiewerte. Auch die Verschiebung der Abstimmung über die Gesundheitsreform im US-Senat verunsichere die Anleger. Dass sich das Umfeld kurzfristig ändert, glaubten Händler nicht. "Es gibt mit Ausnahmen von Spezialsituationen wie Nestle keinen guten Grund zu kaufen", sagte ein Börsianer. Erst bei noch stärker fallenden Kurse dürften die Anleger wieder zugreifen.

Die Nestle-Aktien stiegen um 1,6 Prozent. Das SMI-Schwergewicht bewahrten den Index damit praktisch im Alleingang vor dem Abrutschen. Mit einem milliardenschweren Aktienrückkaufprogramm will der Lebensmittel-Weltmarktführer dem aktivistischen Investors Third Point Wind aus den Segeln nehmen. Bis Ende Juni 2020 sollen eigene Titel im Wert von bis zu 20 Milliarden Franken zurückgekauft werden. Nestle erfüllt damit eine zentrale Forderung von Third Point, dessen Einstieg bei Nestle am Sonntag bekanntgeworden war. Der Hedgefonds wollte sich nicht zu den Plänen von Nestle äussern.

"Da hat es ja nicht viel gebraucht und Nestle ist eingeknickt", sagte ein Händler. "Das Rückkaufprogramm wird dem Kurs kurzfristig sicher guttun", sagte ein anderer Börsianer. Nestle sei stattlich bewertet, erklärte ZKB-Analyst Patrik Schwendimann. Die grössere Erwartungshaltung berge auch ein grösser werdendes Enttäuschungspotenzial. "Das setzt ein schlechtes Zeichen", sagte ein Händler. "Die kurzfristig orientierten Spekulanten werden rasch weitere Ziele ausmachen, auf die sie Einfluss nehmen können."

Die ebenfalls schwergewichtigen Pharmawerte Novartis und Roche ermässigten sich um jeweils 0,6 Prozent. Die Anteile von Idorsia zogen weitere 2,2 Prozent an. Die vom Biotechnologiekonzern Actelion abgespaltene Firma hat damit seit ihrem Debüt vor bald zwei Wochen 60 Prozent an Wert gewonnen.

Bei den Finanzwerten stachen die Aktien der Grossbank UBS mit einem Kursgewinn von 1,2 Prozent heraus. Julius Bär rückten 0,7 Prozent vor und Credit Suisse machten anfängliche Einbussen nahezu wett. Die Versicherungen zeigten keine klare Richtung. Händler sagten, der Anstieg der Anleihenrenditen und die Bereinigung in der Bankenlandschaft in Spanien und Italien stimmten die Anleger positiv gegenüber Finanzwerten.

Grössere Kursabschläge gab es bei zyklischen Firmen. Konjunktursorgen und der Kursrückgang der Technologietitel lösten Gewinnmitnahmen aus, hiess es. Die Aktien des Elektrotechnikkonzerns ABB verloren 1,5 Prozent, die Anteile des Zementproduzenten LafargeHolcim und Prüfkonzerns SGS fielen um rund ein Prozent. Die Anteile des Personalvermittlers Adecco sanken um 0,5 Prozent.

Am breiten Markt fielen die Aktien der GAM Holding um 3,7 Prozent. Bei dem Vermögensverwalter ist der aktivistische Investor RBR ausgestiegen. (Reporter: Rupert Pretterklieber; redigiert von Paul Arnold)

(Reuters)