Schwergewicht Roche bremst Erholung an Schweizer Börse

Die Schweizer Börse hat am Freitag nach einem bewegten Verlauf im späten Handel wenig verändert tendiert.
30.06.2017 16:57

Anleger hätten die Verluste der Vortage als günstige Einstiegsgelegenheit wahrgenommen und zugegriffen, erklärten Händler. Vor allem Industrie- und Technologietitel hätten davon profitiert. Kursverluste beim Marktschwergewicht Roche dämpften zwar die Erholung, aber sie verhinderten einen freundlichen Halbjahresausklang des Marktes nicht.

Die Marktteilnehmer wollten vor dem Halbjahresultimo, vor dem Wochenende und dem US-Nationalfeiertag am kommenden Dienstag keine Risiken eingehen und glichen daher Baissepositionen aus.

Der SMI schwankte zwischen 8900 und 8999 Zählern und notierte zuletzt mit 8905 Punkten 0,4 Prozent im Minus. Damit steuert der Leitindex erstmals seit Oktober auf einen Monat mit negativer Entwicklung zu. Gegenüber dem Jahresanfang ergibt sich aber noch immer ein Plus von neun Prozent. Der SMIM, der Index, der die nach den 20 Bluechips des SMI nächstgrösseren 30 Schweizer Titel umfasst, stieg gar um mehr als 15 Prozent.

Händler sagten, die geringe Teuerung in der Euro-Zone habe den Spekulationen auf ein baldiges Ende der Geldschwemme der Europäischen Zentralbank etwas den Boden entzogen. Im Juni stiegen die Konsumentenpreise laut Angaben des Statistikamtes Eurostat nur noch um 1,3 Prozent zum Vorjahr. Damit liegt die Inflation weit unter dem Ziel der EZB.

"Das dürfte Mario Draghi nicht gefallen", sagte Thomas Gitzel von der VP Bank. Seine Aussage, dass die EZB durch die aktuelle Niedriginflationsphase hindurchschauen könne, klinge fast schon wie eine Durchhalteparole. Die Frankfurter Währungshüter könnten ihre ultra-expansive Geldpolitik nur in homöopathischen Dosierungen zurückfahren, sagte Gitzel.

Roche stand auf der Verliererseite. Bei Roche drückte laut Händlern die Absetzung der Kaufempfehlung durch die französische Grossbank SocGen auf den Kurs. Roche notierten gut ein Prozent tiefer.

Der Titel von Rivale Novartis erholte sich von frühen Einbussen und stiess um 0,1 Prozent ins Plus vor.

Börsenneuling Idorsia stiegen um weitere 6,5 Prozent auf 18,10 Franken. Die Aktie der vom Biotechnologiekonzern Actelion abgespaltenen Forschungsfirma debütierte vor zwei Wochen an der Schweizer Börse mit zehn Franken.

Nestle, ein weiteres Schwergewicht, gab 0,2 Prozent ab.

Die Aktien der Grossbanken litten unter Gewinnmitnahmen. Credit Suisse schwächten sich um 1,7 Prozent ab und UBS ermässigten sich um 0,7 Prozent. Der Titel von Julius Bär sackte um 1,7 Prozent ab.

Bei den mehrheitlich fest tendierenden Versicherungen fielen Zurich mit einem Plus um 1 Prozent auf. Zurich und Branchennachbar Swiss Re sind die einzigen SMI-Titel mit negativer Wertentwicklung im ersten Semester.

Die Aktien zyklischer Firmen tendierten meist fester. Der Personaldienstleister Adecco, der Elektrokonzern ABB, die Sanitärtechnikfirma Geberit, der Prüfkonzern SGS und die Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch rückten vor.

Die Anteile des Spezialchemiekonzerns Sika und des Pharmazulieferers Lonza, die im ersten Halbjahr um mehr als ein Viertel gestiegen sind, bauten ihre Gewinne noch aus.

Technologiewerte setzten zu einer Erholung an. Sie hatten im Sog der Korrektur an der US-Technologiebörse ebenfalls Federn lassen müssen. Gewinne verbuchten die Anteile des Energiespeicher- und Batterieproduzenten Leclanche, der Softwarefirma Temenos, des Solarzulieferers Meyer Burger, des Maschinenbauers Bobst und des Mäusespezialisten Logitech.

(Reuters)