SMI: Nordkorea-Konflikt und "Harvey" belasten

Der Schweizer Aktienmarkt ist mit Abgaben auf breiter Front in den regulären Handel gestartet und steuert damit auf den fünften Verlusttag in Folge zu. Zwei Themen beschäftigen die Börsianer am Dienstag: Die Auswirkungen des Hurrikans "Harvey" in der amerikanischen Golfregion und eine neue Eskalationsstufe im Nordkorea-Konflikt.
29.08.2017 10:05

Nordkorea liess erneut eine ballistische Rakete abfeuern, die dieses Mal über Japan flog. Und zwar erstmals ohne Ankündigung. Bereits an den asiatischen Finanzmärkten kam es zu einem Run in vermeintlich sichere Anlagen, wenngleich sich die Lage im späten Handel merklich entspannte. Gleichzeitig kletterte der Goldpreis auf den höchsten Stand seit November 2016. Auch die als sichere Häfen geltenden Währungen Yen und Franken legten zu.

Der Swiss Market Index (SMI) büsst bis 09.30 Uhr 0,77% auf 8'795,99 Punkte ein. Der 30 Aktien umfassende Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, verliert 0,89% auf 1'405,32 und der breite Swiss Performance Index (SPI) 0,75% auf 10'037,05 Zähler. Von den 30 wichtigsten Titeln notieren 29 im Minus und nur eine im Plus.

Die Eskalation in Fernost liess auch den Franken wieder etwas erstarken, was die Stimmung an der hiesigen Börse ebenfalls belastet. Der EUR/CHF-Kurs rutschte zwischenzeitlich unter die 1,14er-Marke, der USD/CHF-Kurs notiert unter der Grenze von 0,95.

Klar im Minus sind die Finanztitel von Credit Suisse (-1,5%), UBS (-1,4%) und - mit Abstrichen - Julius Bär (-0,8%) sowie Partners Group (-1,0%). Finanztitel reagieren häufig sensibel auf geopolitische Spannungen. Dies gilt auch für viele zyklische Papiere ABB (-1,4%) oder jene des Reisedetailhändlers Dufry (-1,7%).

Die Versicherer Zurich (-1,5%) und Swiss Re (-1,4%) leiden derweil auch am Dienstag unter dem Sturm "Harvey" in den USA. Die grosse Frage sei, wie hoch genau die versicherten Schäden tatsächlich ausfallen werden. Aus heutiger Sicht geht die ZKB nicht davon aus, dass "Harvey" ein ähnlich gravierendes Schadereignis werden wird, wie "Katrina" im Jahr 2005, als die Versicherungsindustrie knapp 80 Mrd USD zu schultern hatte.

Es sei aber möglich, dass auf Swiss Re Zahlungen in der Höhe von "Sandy" zukommen, die 2015 gewütet hatte. Seinerzeit musste der Rückversicherer für Schäden in Höhe von 900 Mio USD gerade stehen. Eine solche Zahlung sei dank der starken Kapitalausstattung zwar gut zu verkraften, der Jahresgewinn 2017 dürfte jedoch stark beeinträchtigt werden, so die ZKB.

Am Vortag der Ergebnispublikation büssen Bâloise 1,5% ein - aber auch Swiss Life (-1,2%) werden verkauft.

Auch SGS (-0,8%) stehen unter Druck. Denn der Genfer Wareninspektionskonzern ist auch im Öl- und Gasbereich tätig, und "Harvey" hat mit Texas ein für diese Branche wichtiges Gebiet getroffen.

Clariant geben um 0,5% nach. Huntsman, der designierte Fusionspartner des Chemiekonzerns, hat ebenfalls die Auswirkungen von "Harvey" zu spüren bekommen. Die Texaner mussten Produktionsstätten in den betroffenen Gebieten in Texas herunterfahren, andere Standorte in der Golfregion können indes weiter betrieben werden.

Bei den Schwergewichten schneiden Nestlé (-0,3%) etwas besser ab als Novartis (-0,8%) und Roche (-0,7%). Etwas geringere Verluste entfallen auf nicht-zyklische Titel wie Sonova (-0,1%) und Schindler (-0,2%). Für letztere hat Goldman Sachs das Kursziel leicht erhöht. Auch Swisscom (-0,4%) schneiden in unruhigen Zeiten meistens besser ab, und Lonza (+0,3%) sind die einzigen Gewinner.

Am breiten Markt haben diverse Unternehmen Halbjahreszahlen vorgelegt. So etwa die Immobiliengesellschaften Allreal (-0,5%) und SFPI (ungehandelt). Die Aktien des Verlagshauses Tamedia (+0,5%) schlagen sich nach Zahlen besser als der Gesamtmarkt. Dank Sonderfaktoren legten die Gewinnzahlen markant zu, und auch unter Ausklammerung der positiven Einmaleffekt blieb der Gewinn nur knapp unter dem Vorjahr.

Besonders hart gehen die Anleger mit dem Flaschenhersteller Vetropack (-3,2%) in Gericht; dessen Zahlen lagen leicht unter den durchschnittlichen Schätzungen der Analysten. Auch der Flughafen Zürich (-1,4%) und Feintool (-0,8%) werden nach Zahlen verkauft, während die Finanzgruppe Valartis (+1,0%) der österreichische Motorradhersteller KTM (+1,5%) gesucht werden.

(AWP)