Verunsicherte Anleger wenden sich von Schweizer Börse ab

Die Schweizer Börse hat am Dienstag im Verlauf zunehmend Terrain eingebüsst. Die Angst vor einem weltweiten Handelskrieg, der Rauswurf von Aussenminister Rex Tillerson aus der US-Regierung und die politischen Spannungen zwischen Grossbritannien und Russland sorgten für Verunsicherung, sagten Händler.
13.03.2018 17:34

Der SMI sank um 1 Prozent auf 8881 Punkte.

Dagegen bewegte die US-Teuerung für den Monat Februar die Märkte nur wenig. Die Inflation war mit 2,2 Prozent in etwa wie erwartet ausgefallen. Damit könne die US-Notenbank ohne weitere Beschleunigung an ihrem Kurs festhalten, hiess es am Markt. "Nach dem Arbeitsmarktbericht vom Freitag bleibt auch beim heutigen Inflationsbericht der Schock aus. Es gibt keine Gründe für eine schnellere Straffung der Geldpolitik", sagte ein Analyst.

Bei den überwiegend schwächeren Standardwerten hielt der Pharmazulieferer Lonza mit einem Kursabschlag von 2,5 Prozent die rote Laterne. Der Börsen-Highflyer der vergangenen Jahre hat sich 2018 deutlich schlechter als der Markt entwickelt und mehr als zehn Prozent an Wert verloren.

Grössere Einbussen gab es auch bei den Bankaktien von UBS und Julius Bär, die 1,9 und 1,6 Prozent einbüssten.

Wenig gefragt waren die als konjunkturzyklisch geltenden Aktien des Personalvermittlers Adecco, des Zementherstellers LafargeHolcim, des Bauchemiekonzerns Sika und der Inspektionsfirma SGS mit Kursabschlägen von mehr als einem Prozent. Händler sagten, möglicherweise zögen manche Anleger die Frage, ob es zu einem weltweiten Handelskrieg kommen könnte, als Begründung für einen Verkauf der stark gestiegenen zyklischen Werte heran.

Vergleichsweise gut schlugen sich die Anteile des Luxusgüterproduzenten Richemont, die um 0,3 Prozent tiefer bewertet wurden. Richemont steht gemäss Angaben des italienischen Aktentaschenproduzenten Piquadro in exklusiven Verhandlungen über einen Verkauf des Lederwaren-Herstellers Lancel an die italienische Firma.

Die Aktien von Rivale Swatch sanken 1,2 Prozent. Der Uhrenhersteller hält am Mittwoch die Bilanzpressekonferenz ab. Um 0,9 Prozent schwächer tendierten die Anteile des Elektrotechnikkonzerns ABB.

Mit einem Minus von 0,3 Prozent konnten sich die Geberit-Aktien dem Negativtrend trotz eines guten Jahresergebnisses nicht entziehen. Die Sanitärtechnikfirma verdiente im vergangenen Geschäftsjahr wegen Ausgaben für Werksschließungen in Frankreich sowie höherer Rohmaterial- und Personalkosten mit 527,4 Millionen Franken um 3,8 Prozent weniger. Analysten hatten einen noch stärkeren Rückgang erwartet. Der Konzern will zudem die Dividende um 0,40 auf 10,40 Franken anheben. "Geberit verzeichnete ein gutes Schlussquartal und konnte 2017 die Gewinnerwartungen leicht übertreffen", erklärte ZKB-Analyst Martin Hüsler.

Auch die als krisenfest geltenden Indexschwergewichte Nestle, Roche und Novartis büssten Terrain ein.

Am breiten Markt fiel Von Roll mit einem Kursrückgang von 5,4 Prozent auf. Der Isolatoren-Hersteller blieb 2017 mit einem Verlust von 4,8 Millionen Franken in den roten Zahlen. Operativ gelang der Turnaround.

Auch vom Kabelhersteller Huber+Suhner, dem Kunststoffhersteller Gurit und der Textilmaschinenfirma Rieter trennten sich die Anleger nach der Jahresbilanz.

Auf der Gewinnerseite stach Tamedia mit einem Kursplus von 2 Prozent heraus. Das Verlagshaus steigerte 2017 dank Sondereffekten den Gewinn um 39,1 Prozent auf 170,2 Millionen Franken.

Die Inficon-Aktien stiegen um 3,4 Prozent. Die Vakuumtechnik-Firma steigerte den Jahresgewinn um fast die Hälfte und erhöht die Dividende stärker als erwartet.

(Reuters)