Zinsängste machen Schweizer Anleger vorsichtig

Viele Anleger verharrten angesichts der Ungewissheit rund um die Entwicklung der Weltkonjunktur und das weitere Vorgehen der Notenbanken an der Seitenlinie.
14.09.2017 18:02

Der SMI legte nach einem Handelstag in sehr enger Bandbreite einen Schussspurt hin und schloss um 0,2 Prozent höher mit 9071 Punkten.

Eine Serie überraschend schwacher Konjunkturdaten weckte Zweifel an der Stärke des Aufschwungs in China. Die Investitionen wuchsen von Januar bis August mit 7,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum so langsam wie seit Ende 1999 nicht mehr. Die Industrieproduktion legte im August mit 6,0 Prozent so wenig zu wie seit neun Monaten nicht mehr. Der Einzelhandel wies mit 10,1 Prozent die geringste Umsatzsteigerung seit einem halben Jahr aus.

Auch aufgefrischte Spekulationen auf Zinserhöhungen in den USA und in Grossbritannien dämpften die Stimmung. Die mit Spannung erwarteten US-Inflationsdaten fielen höher aus als von Fachleuten erwartet. Anleger spekulierten daher darauf, dass die US-Notenbank ihre Zinsen bald weiter erhöht. Im August stiegen die Verbraucherpreise 1,9 Prozent zum Vorjahresmonat nach einem Anstieg von 1,7 Prozent im Juli. Und in Grossbritannien steuert die Bank of England (BoE) angesichts kräftig steigender Preise auf die erste Zinserhöhung seit mehr als zehn Jahren zu.

Die Schweizer Notenbank dreht trotz der jüngsten Abwertung des Frankens zur wichtigsten Exportwährung Euro nicht an den geldpolitischen Schrauben. Allerdings änderten die Währungshüter ihre Wortwahl und bezeichneten den Franken nun nicht mehr als "deutlich überbewertet" sondern als "hoch bewertet". Nach Einschätzung von Experten wollen sie damit jedoch keine Abkehr von der lockeren Geldpolitik signalisieren, sondern vielmehr der Wechselkursentwicklung Rechnung tragen.

Bei den Schweizer Standardwerten überwogen die Gewinner leicht. Die Aktien von Swiss Life allerdings verloren 1,4 Prozent. Die US-Behörden knöpfen sich den Lebensversicherer wegen möglicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung vor. Das Justizministerium habe Swiss Life in Zusammenhang mit dem aus Liechtenstein und Singapur betriebenen Geschäft mit US-Kunden kontaktiert. Swiss Life droht eine Busse, die Analysten zufolge maximal einen mittleren zweistelligen Millionen-Betrag erreichen könnte.

Die Anteile des Rückversicherers Swiss Re gaben 0,2 Prozent nach. Branchenprimus Münchener Rück setzte wegen der Schäden durch die Wirbelstürme "Irma" und "Harvey" ein Fragezeichen hinter sein Gewinnziel für dieses Jahr. Die Aktien der Zurich Insurance Group, die ebenfalls über ein grosses US-Geschäft verfügt, zogen geringfügig an.

Bei den Luxusgütertiteln hielten die Abgaben an. Swatch sanken um ein Prozent und Richemont um 1,3 Prozent. Obwohl Richemont am Mittwoch in den ersten fünf Geschäftsmonaten zu einem Umsatzwachstum zurückgefunden hatte, trennten sich die Anleger von den Aktien.

Grössere Kursgewinne gab es bei anderen konjunktursensitiven Firmen wie dem Elektrotechnikkonzern ABB, dem Personalvermittler Adecco und dem Zementproduzenten LafargeHolcim. Auch zu den Bankwerten Credit Suisse, UBS und Julius Bär griffen die Anleger.

Die beiden Pharmaschwergewichte Novartis und Roche rückten jeweils 0,5 Prozent vor, während sich der dritte SMI-Riese Nestle geringfügig abschwächte.

Am breiten Markt rutschten die Newron-Aktien 0,5 Prozent ab. Die Pharmafirma hat im ersten Halbjahr mit einem Gewinn von 1,5 Millionen Euro schwarze Zahlen geschafft. (Reporter: Oliver Hirt und Paul Arnold; redigiert von Angelika Gruber)

(Reuters)