Zinssorgen lasten auf Schweizer Börse

Die Furcht vor rascher und stärker als erwartet steigenden US-Zinsen hat auch am Donnerstag die Anleger an der Schweizer Börse beschäftigt.
22.02.2018 17:47

Sie verhielten sich vorsichtig und die Umsätze fielen laut Händlern unterdurchschnittlich aus. Der SMI schloss 0,2 Prozent tiefer bei 8967 Punkten und liegt damit gut vier Prozent unter dem Stand von Ende 2017.

Die Marktteilnehmer seien aber nicht beunruhigt. Das Angstbarometer, der Volatilitätsindex legte um 0,6 Prozent zu, bewegte sich aber weiterhin deutlich unter den jüngsten Höchstwerten. Grössere Abgaben blieben aus. "Solange wir nicht unter die Tiefststände der jüngsten Korrektur (um 8860 Punkten) fallen und sich die Einbussen unter einem Prozent halten, sind die Leute nicht sonderlich aufgeregt", sagte ein Börsianer.

Das am Mittwochabend von der US-Notenbank veröffentlichte Protokoll der geldpolitischen Sitzung von Ende Januar habe die Anleger schon etwas aufgeschreckt, hiess es am Markt. Darin signalisierte die Fed weitere Zinserhöhungen. Die Kurse an den Terminmärkten deuteten darauf hin, dass Anleger für 2018 unverändert mit drei Schritten rechnen. Fed-Banker James Bullard betonte zudem, dass die Notenbank behutsam vorgehen müsse, um die Konjunktur nicht abzuwürgen.

"Wir gehen davon aus, dass die Fed die Zinsen am 21. März um 0,25 Basispunkte erhöhen wird, gefolgt von drei weiteren Erhöhungen im Jahr 2018", hiess es bei der Credit Suisse.

Nach Ansicht von Bantleon-Chefvolkswirt Daniel Hartmann sind die besten Zeiten vorbei. Die Konjunkturbarometer der Eurozone hätten diese Woche einen deutlichen Dämpfer erfahren. Der konjunkturelle Hochpunkt sei durchschritten und die Finanzmärkte gerieten nun in unruhigeres Fahrwasser.

Andere Marktteilnehmer versuchten zu beruhigen. "Dass eine boomende Volkswirtschaft wie jene in den USA zu höheren Leitzinsen führt, ist eigentlich logisch", erklärten die Experten der Thurgauer Kantonalbank.

"Jetzt blicken wieder alle auf die angebliche Inflationsgefahr. Es scheint, wir brauchen einfach einen Leithammel, dem alle hinterherrennen können", sagte ein Händler. Dies könnte leicht zu einem Tunnelblick führen, durch den alle anderen wichtigen Faktoren einfach ausgeblendet würden.

Die schwergewichtigen Nestle-Aktien legten 0,8 Prozent zu. Der Lebensmittelkonzern will einen Bestellungsstopp für einige Produkte bei Supermarktketten rund um Coop und die deutsche Edeka gütlich aus der Welt schaffen. Auch die Givaudan-Aktien waren etwas fester. Alle anderen Bluechips schlossen im Minus.

Die ebenfalls als relativ krisenfest geltenden Pharmaschwergewichte Novartis und Roche konnten sich dem Negativtrend nicht entziehen und sanken um 0,3 und 0,1 Prozent.

An die Spitze der Verlierer setzten sich unter anderen die Anteile von konjunkturzyklischen Firmen wie des Elektrotechnikkonzerns ABB, des Zementproduzenten LafargeHolcim und des Uhrenherstellers Swatch mit Kurseinbussen von knapp einem Prozent und mehr. Sie litten unter den Befürchtungen, dass ein allzu schneller Zinsanstieg den Konjunkturmotor ins Stottern bringen oder gar abwürgen könnte.

Die Titel des Bauchemiekonzerns Sika sanken am Tag vor der Bilanzveröffentlichung um knapp ein Prozent.

Versicherungswerte schwächten sich ebenfalls ab. Die Aktien von Swiss Re sanken um 1,4 Prozent. Der Rückversicherer veröffentlicht am Freitag den Jahresabschluss. Analysten erwarten einen massiven Gewinneinbruch. Möglicherweise habe das Ergebnis des französischen Konkurrenten Scor, das von Naturkatastrophen zerzaust wurde, belastet, hiess es am Markt. Scor-Aktien fielen drei Prozent.

Die Aktien der Grossbanken Credit Suisse und UBS wurden um 0,3 und 0,2 Prozent niedriger gehandelt. Gegen den Trend kletterten die Aktien der Cembra Money Bank um 2,2 Prozent. Die Kreditbank hebt nach einem leichten Gewinnanstieg im vergangenen Jahr die Dividende um 0,10 auf 3,55 Franken je Aktie an. Im laufenden Jahr rechnet die Bank mit einem Gewinnrückgang auf 4,80 bis 5,10 Franken je Aktie von 5,13 Franken 2017.

Am breiten Markt fielen die Aktien von Georg Fischer mit einem Plus von gut vier Prozent auf 1369 Franken auf. Kepler Cheuvreux hat die Titel mit einem Kursziel von 1500 Franken zum Kauf empfohlen.

(Reuters)