Zollstreit dämpft Schweizer Börse - Clariant im Fokus

Die Schweizer Börse hat sich am Dienstag leicht abgeschwächt. Wegen des eskalierenden Handelsstreits der USA mit China hielten sich die Anleger laut Händlern bedeckt.
18.09.2018 17:35

Zudem habe der festere Franken die Stimmung etwas eingetrübt. "Ein starker Franken wird meist als negativ für die Aktien der exportorientierten Firmen beurteilt", sagte ein Börsianer. Der SMI notierte mit 8916 Zählern um 0,2 Prozent leichter.

US-Präsident Donald Trump kündigte zehnprozentige Zuschläge auf Waren aus China in einem Wert von 200 Milliarden Dollar an. Sie sollen von Montag an erhoben und bis Jahresende auf 25 Prozent erhöht werden. Im Gegenzug verhängte China neue Abgaben in Höhe von fünf bis zehn Prozent auf US-Warenimporte im Wert von 60 Milliarden Dollar, die ab Montag gelten sollen.

Im Fokus standen die Aktien von Clariant. Der Kurs sprang um 7,9 Prozent nach oben. Der saudiarabische Petrochemiekonzern Saudi Basic Industries (Sabic) übernimmt beim Spezialchemiekonzern das Zepter. Konzernchef Hariolf Kottmann tritt zurück und wird Verwaltungsratspräsident. Neuer Konzernchef wird Sabic-Manager Ernesto Occhiello. Zudem kündigte Clariant einen Konzernumbau an, um das Geschäftsportfolio rentabler und wachstumsstärker zu machen. Damit werde bis zu einem gewissen Grad die Unsicherheit um Clariant beendet, die seit dem Einstieg des Aktivisten White Tale 2017 geherrscht habe, sagte Daniel Buchta von der Bank Vontobel.

Bei den zyklischen Bluechips waren die Papiere des Elektrotechnikkonzerns ABB, des Zementkonzerns LafargeHolcim und des Personalvermittlers Adecco schwächer. Der Bauchemiekonzern Sika, die Luxusgüterhersteller Richemont und Swatch sowie die Inspektionsgesellschaft SGS gewannen an Wert.

Bei den Finanzwerten stiegen Julius Bär um ein Prozent. Die Anteile der Grossbank Credit Suisse waren unverändert und die der UBS um 0,2 Prozent leichter. Die Versicherer Swiss Life und Swiss Re rückten geringfügig vor.

Bei den Marktschwergewichten fielen die Pharmawerte Novartis und Roche um 0,5 und 0,2 Prozent. Nestle sanken um 0,8 Prozent. Der Lebensmittelriese verkauft das Gerber-Life-Insurance-Geschäft an den US-Finanzdienstleister Western & Southern Financial Group für 1,55 Milliarden Dollar in bar. Der Schritt ermögliche Nestle, weiter in das Kerngeschäft mit Lebensmitteln zu investieren. Nestle verkaufte zudem Anleihen über insgesamt acht Milliarden Dollar.

Am breiten Markt brachen die Aktien von Basilea nach einer Kurszielsenkung auf 50 von 59 Franken durch Baader Helvea um 11,7 Prozent auf 54,3 Franken ein. Die Empfehlung für die Aktien der Biotechfirma laute weiterhin "Sell". Basilea könnte wegen der sich rasch verschlechternden Nettoliquidität, die bis Anfang 2019 negativ werden könnte, noch vor Ende 2018 den Kapitalmarkt anzapfen, schrieb Bruno Bulic von Baader Helvea.

Die Anteile von Polyphor stiegen um 0,6 Prozent. Händler wiesen darauf hin, dass Polyphor wie Basilea im Bereich Antibiotika forsche und dass es daher immer wieder Marktteilnehmer gebe, die sich in den beiden Aktien gegensätzlich positionierten.

Die Aktien von Von Roll schnellten 10,3 Prozent hoch. Die Industriegruppe hat in China einen Grossauftrag mit einem weltweit führenden Automobilkonzern über mehrere Millionen Euro an Land gezogen.

Gefragt waren die Aktien von Bachem und Comet. Sie waren laut Händlern im Zuge der jüngsten Korrektur bei den "heissgelaufenen" Aktien aus der zweiten Reihe stark unter die Räder geraten.

Die Anteile von Obseva legten 1,6 Prozent zu. JP Morgan hat die Abdeckung mit "Overweight" aufgenommen.

(Reuters)