Kommentatoren einig über den Wahlausgang in Deutschland

Die deutsche Regierung von Bundeskanzlerin Angela Merkel hat bei der Bundestagswahl einen Dämpfer erlitten. Die Kommentatoren in der Schweiz stimmen darüber überein, dass es trotz Merkels Wiederwahl so nicht weitergehen kann.
25.09.2017 05:23

"Neue Zürcher Zeitung":

"Merkel und Deutschland und Erfolg, das ist fast eins. Und so erstaunt nicht, dass die Mehrheit der Wähler das Experiment eines neuen Bundeskanzlers nicht wagen wollte. Politische Stabilität, Haushaltüberschüsse, rekordhohe Beschäftigung, geringe Arbeitslosigkeit, Lohnerhöhungen, sozialer Frieden, hohe Umweltstandards lauten die Stichworte, die den Ausschlag dafür gaben. (...) Zufrieden kann die Kanzlerin mit dem Wahlergebnis aber nicht sein. Die starken Verluste der Union sowie des Koalitionspartners SPD sind ein klares Signal, dass Merkels grosskoalitionärer Politikstil an seine Grenzen gestossen ist."

"Blick":

"Der Ausgang der Bundestagswahl ist ein politisches Erdbeben für Deutschland. Die Regierung erhielt ein mieses Zeugnis, die sozialdemokratischen Koalitionspartner gar ein vernichtendes. Jetzt will die SPD, wie umgehend angekündigt, raus aus dem Boot mit Merkel, ab ins Schäm-di-Eggli und sich von dort aus wieder aufraffen. Wie auch immer die künftige Regierung aussehen wird, klar ist: Merkel führt sie weiterhin an. Und mit der bleiernen Kuscheligkeit ist es vorbei."

"Tages-Anzeiger" / "Bund":

"Die rechte Protestpartei Alternative für Deutschland (AfD) zieht mit Getöse in den Bundestag ein - und doch ist die wichtigste Botschaft der deutschen Parlamentswahl eine andere: "Angela Merkel wird Kanzlerin bleiben. (...) Dieses Ergebnis verstand sich keineswegs von selbst. Viele wähnten Merkels Kanzlerschaft schon am Ende, als sie 2015/16 Hunderttausende von Kriegsflüchtlingen ins Land liess. Ihr humanitärer Akt spaltete das Land, aber gestürzt ist sie darüber nicht - auch weil sie ihre Politik seither korrigiert hat."

"Luzerner Zeitung" / "St. Galler Tagblatt":

"Das gestrige Resultat ist auch ein Dämpfer für die seit 12 Jahren amtierende Angela Merkel. Die von ihr geführte Union musste empfindliche Verluste hinnehmen, ihr Koalitionspartner SPD erreichte gar einen historischen Tiefpunkt. Merkel wird weiterregieren, das war schon vor den Wahlen so gut wie sicher. Doch ihre Regierung, die grosse Koalition, wurde gestern abgewählt."

"Nordwestschweiz":

"Franz Josef Strauss dürfte sich im Grab umdrehen. 'Rechts von der Union darf es keine demokratisch legitimierte Partei geben', hatte der bayerischen Ministerpräsident und Übervater der CSU gepredigt. Jetzt sitzt mit der AfD eine klar rechts von CDU und CSU positionierte Partei sogar im Bundestag. Und zwar mit einem zweistelligen Ergebnis, das weit über der 10-Prozent-Marke liegt. Das ist nicht nur eine Zäsur, sondern ein politisches Erdbeben. Zumal die 'grossen' Volksparteien so schwach wie nie abschnitten."

(SDA)