Kommissarin, Komödiantin, Charakterkopf: Hannelore Elsner wird 75

Sie begann als Starlet an der Seite von Freddy Quinn, war lange Jahre TV-Kommissarin und glänzte in preisgekrönten Dramen. Hannelore Elsner steht seit fast sechs Jahrzehnten vor der Kamera. Heute wird sie 75.
26.07.2017 08:13

Elsner, die viele als kapriziöse Diva beschreiben, gibt nicht gerne Interviews zu ihren Geburtstagen. "Mir gefällt die buddhistische Idee, die sagt, bis 60 ist man jung, ab 60 wird man älter."

Das Leben der gebürtigen Bayerin ist bewegt: Als kleines Mädchen muss sie den Tod ihres geliebten älteren Bruders verkraften. Bald darauf stirbt der Vater. Sie wechselt häufig die Schule und übernimmt als 14-Jährige kleinere Jobs, weil das Geld knapp ist.

Mit 16 wurde sie in München bei einem Spaziergang mit ihrer Mutter entdeckt, vom türkischen Regisseur Halit Refig. Nach Proben in Istanbul durfte sie auf die Schauspielschule, musste dafür aber kleinere Rollen in Filmen mit Stars wie Hans-Joachim Kulenkampff und Freddy Quinn übernehmen. Sie schwärmte jedoch für den französischen Film: "Solche Rollen wollte ich später immer spielen, schwer und leicht zugleich."

Ihre Agentin habe ihr mit etwa 17 Jahren geraten, die Nase schmaler machen und die Zähne begradigen zu lassen, sowie sich einen Künstlernamen zuzulegen. Sie hörte nicht drauf, strich nur das "t" aus ihrem Geburtsnamen Elstner. Mit etwa 19 stand sie zum ersten Mal auf einer Theater-Bühne. Fünf Jahre später soll sie in den Kammerspielen in "Tango" (1966) die erste Nackte auf einer deutschen Bühne gewesen sein.

In mehr als 200 Fernseh- und Kino-Rollen war die 1,60 Meter grosse Frau zu sehen. Ihre erste von zahlreichen Auszeichnungen bekam sie mit 29 Jahren: die Goldene Kamera für die Rolle der Sasha in Tschechows Stück "Iwanow".

Ihr Kinodebüt gab sie 1961 im Film "Das Mädchen mit den schmalen Hüften". Starregisseur Jürgen Roland vertraute ihr ein Jahr später in der Krimiserie "Stahlnetz" ihre erste Hauptrolle an. Als Durchbruch zu internationaler Anerkennung gilt ihre Hauptrolle in Alf Brustellins Film "Berlinger" (1975). Drei Jahre später drehte sie mit ihm "Der Sturz" nach einem Roman von Martin Walser.

Brustellin war ab 1973 ihr Partner. Von ihrem ersten Ehemann, dem 18 Jahre älteren Schauspieler Gerd Vespermann, war sie da längst geschieden. Brustellin starb 1981 bei einem Verkehrsunfall. Da war Elsners einziges Kind, ihr Sohn Dominik, gerade ein halbes Jahr alt. Vater ist der Regisseur Dieter Wedel.

Später war Elsner "drei wunderschöne Jahre" mit dem Filmproduzenten Bernd Eichinger zusammen. 1993 heiratete sie den Theaterdramaturgen und Verlagsleiter Uwe Carstensen, die Ehe ging 2000 auseinander.

(SDA)