Krebserregendes PCB auf fünf Kilometern Länge im Bach Spöl

Der Spöl im schweizerischen Nationalpark im Engadin ist auf fünf Kilometern Länge mit krebsauslösendem PCB belastet. Es gelangte durch eine Panne bei der Sanierung der Livigno-Staumauer in den Bergbach.
22.12.2016 14:42

PCB wurde bis in die 1980er-Jahre als Weichmacher in Lacken, Dichtungsmassen und Kunststoffen verwendet. Mittlerweile ist es weltweit verboten. Die PCB-Verschmutzung im Spöl ereignete sich im September und ist Anfang November bekannt geworden. Nun liegt auch das genaue Ausmass vor, wie das Bündner Amt für Natur und Umwelt am Donnerstag mitteilte.

Messungen im Livigno-Stausee, im Spöl und stromabwärts im Inn bis zur Grenze mit Österreich ergaben, dass die Belastung ausschliesslich im Bergbach im Nationalpark vorliegt - auf den fünf Kilometern zwischen dem Livigno-Stausee und dem Stausee Ova Spin. Stark erhöhte Werte wurden in den Bachsedimenten, in Fischen, Kleintieren, Algen und Moosen gemessen.

In den Sedimenten wird der Richtwert für "guten Zustand" im Durchschnitt um das Fünffache überschritten, wie Daniel Güttinger, stellvertretender Leiter des Amtes für Natur und Umwelt, der Nachrichtenagentur sda erklärte. Die lokale Spitzenbelastung beträgt das Zwanzigfache des Richtwertes.

Der Grenzwert für Nahrungsmittel wird in den Fischen um das Dreifache überschritten. Fische aus dem Spöl werden aber nicht gegessen. Einerseits darf im betroffenen Bachabschnitt nicht gefischt werden, andererseits sind die Fische zwischen den beiden Stauseen gefangen und können nicht weiter wandern.

Problematisch werden könnte das PCB für die Fische, weil die Chlorverbindung biologisch nicht abbaubar ist und sich im Fettgewebe ansammelt. In Monaten bis Jahren drohen Störungen bei Entwicklung und Fortpflanzung.

Für das Amt für Natur und Umwelt ist klar, dass die Chemikalie aus dem Spöl raus muss - und zwar möglichst bis zur Schneeschmelze im Frühling. Unklar ist laut Güttinger, wie das geschehen soll.

Um das Problem anzupacken, wird eine Taskforce formiert aus Vertretern des Nationalparks und Amtsstellen sowie aus Fachspezialisten. Auch die Engadiner Kraftwerke als Besitzer der Livigno-Staumauer sind mit von der Partie.

Chemische Analysen haben den Verdacht bestätigt, dass das PCB aus Sanierungsarbeiten am Grundablass der Staumauer stammt. Beim Sandstrahlen des Korrosionsschutzes riss zunächst unbemerkt die Einhäusung, die eine Ausbreitung des PCB-Staubs verhindern sollte. Die Polizei untersucht nun, wer für die Gewässerverschmutzung zur Verantwortung gezogen werden kann.

(SDA)