Krise zwischen Algerien und Marokko nach Haschisch-Vorwürfen

Algeriens Aussenminister hat das Nachbarland Marokko des Haschischhandels beschuldigt und damit eine diplomatische Krise ausgelöst. Die marokkanische Regierung rief ihren Botschafter aus Algier zurück und bestellte den algerischen Geschäftsträger in Rabat ein.
21.10.2017 23:24

Algeriens Aussenminister Abdelkader Messahel hatte am Freitag bei einem Wirtschaftsforum in Algier angedeutet, dass Marokko seine steigenden Investitionstätigkeiten in afrikanischen Ländern mit Erlösen aus dem im Land angebauten Haschisch finanziere.

Marokkos Aussenministerium bezeichnete die Äusserungen am Samstag als "unverantwortlich": Sie zeugten von einer "Ignoranz, die ebenso tief wie unentschuldbar" sei.

Konkret sagte Messahel: "Bei den marokkanischen Banken geht es um Geldwäsche aus dem Haschischgeschäft, das weiss doch jeder." Und: "Afrikanische Staatschefs haben mir das gesagt."

Auch die staatliche marokkanische Fluggesellschaft spiele bei den Haschisch-Deals eine Rolle, vermutete der Algerier: "Dass die Royal Air Maroc auch anderes als Passagiere transportiert, weiss die ganze Welt." Filmaufnahmen von Messahels Äusserungen verbreiteten sich schnell in den sozialen Medien der beiden Maghreb-Länder.

Marokkos Aussenministerium warf Algerien vor, mit den Vorwürfen von eigenen Problemen ablenken zu wollen: "Diese verlogenen Anschuldigungen können aber nicht das eigenen Versagen rechtfertigen oder die erheblichen wirtschaftlichen und sozialen Probleme in diesem Land kaschieren."

Algerien und Marokko haben seit langem ein gespanntes Verhältnis. Die Grenze zwischen den beiden Maghreb-Staaten ist seit 1994 geschlossen. Zu den grossen Streitfragen zählt die Westsahara: Marokko hat grosse Teile der ehemaligen spanischen Kolonie besetzt, Algerien unterstützt die Unabhängigkeitsbewegung.

(SDA)