Lausanner Bars und Clubs rüsten sich gegen Belästigungen

Bars und Clubs in Lausanne wollen künftig verstärkt gegen Verbalattacken und Belästigungen gegenüber Frauen im Nachtleben vorgehen. Sie haben die Charta "LabelNuit" gegründet, die künftig schweizweit Schule machen soll.
23.12.2016 12:36

Ab nächstem Frühling sollen Belästigungen gegenüber Frauen im Lausanner Nachtleben verschärft taxiert werden. Die Initiative ergriffen hat der Branchenverband GastroLausanne.

Im Januar werde eine Arbeitsgruppe gebildet, um offene Fragen zu klären, sagte Präsident Thierry Wegmüller in einem am Freitag publizierten Interview mit der Westschweizer Zeitung "24 heures". Mit von der Partie sein sollen Verantwortliche von Clubs und Bars, der Polizei, der Stadt Lausanne sowie von verschiedenen Frauenorganisationen.

In der Charta soll festgeschrieben werden, dass physische und psychische Belästigungen nicht toleriert werden. Die Sicherheitsangestellten sollen auf diesem Gebiet besser ausgebildet werden, damit sie jederzeit für alle Betroffenen zur Verfügung stehen können, sagte Wegmüller. "Auf Wunsch sollen belästigte Personen bis zum nächsten Transportmittel begleitet werden."

Zudem sollen alle Personen, die wegen Belästigungen aus einer Bar oder einem Club geworfen wurden, der Polizei und anderen Lokalen gemeldet werden. Wichtiges Detail: Es ist nicht an den Sicherheitskräften zu beurteilen, ob es sich um eine Belästigung handelt oder nicht. "Das Opfer wird wirklich ernst genommen", sagte Wegmüller.

Ferner soll in der Charta eine Meldestelle für Opfer von Belästigungen festgeschrieben werden. "Das wird eine E-Mail-Adresse sein, welche die Anonymität der Opfer gewährleistet", sagte Wegmüller. Frauen könnten über diese Stelle etwa berichten, wo sie belästigt worden seien.

Die betroffenen Bars und Clubs würden danach informiert. Wenn innerhalb einer Zeitperiode mehrere Verstösse am gleichen Ort vermeldet würden, könnte den Lokalen das "LabelNuit" entzogen werden.

Wegmüller möchte, dass die Charta künftig schweizweit eingeführt wird. Er werde den Kontakt mit verschiedenen Städten und Verbänden suchen, sagte er. Einige hätten bereits Massnahmen ergriffen.

Beispielsweise in Bern halten sich schon 79 Bars und Beizen sich an das Security-Konzept, das die Stadt und Barbetreiber vor etwa vier Jahren erarbeiteten. Es sieht beispielsweise vor, dass jedes Lokal einen Abendverantwortlichen bezeichnet.

Dieser stellt bei besonderen Ereignissen den Kontakt mit den Behörden her. Zudem müssen die Betriebe gemäss dem Konzept Anforderungen an die Grundausbildung ihrer Sicherheitsdienste erfüllen.

Die Berner Stadtregierung vermeldete am Freitag in einer Zwischenbilanz einen weiteren Anstieg der Teilnehmer. Dass möglichst alle Barbetreiber das Sicherheitskonzept anwenden, ist eines der Ziele dieses Massnahmenplans mit insgesamt achtzehn Punkten.

(SDA)