Leichen von vier Bergsteigern in Zelt am Mount Everest gefunden

Erneut sind mehrere Bergsteiger beim Versuch, den höchsten Berg der Welt zu bezwingen, ums Leben gekommen. Am Mount Everest wurden die Leichen von vier Bergsteigern entdeckt, wie ein Expeditionsveranstalter am Mittwoch mitteilte.
24.05.2017 15:51

Die Toten seien am Dienstag bei der Suche nach der Leiche eines am Sonntag verunglückten Bergsteigers in einer Höhe von 7950 Metern in einem Zelt gefunden worden.

"Unsere Bergungskräfte haben die Leichen von vier Bergsteigern in einem Zelt in Camp 4 gefunden", sagte Mingma Sherpa von der Agentur Seven Summits Trek in Kathmandu, die Expeditionen und Rettungsmissionen leitet. "Wir wissen nicht, wer sie sind und wodurch sie ums Leben gekommen sind."

Örtliche Medien gingen zunächst davon aus, dass es sich bei den Toten um zwei ausländische Bergsteiger sowie um zwei Sherpas handelte. Diese fraglichen Personen seien jedoch inzwischen im Basislager des Berges angekommen, meldete die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Nepals Tourismusministerium.

Die Identität der im so genannten Camp 4 gefundenen Toten sei damit weiter unklar. Möglicherweise könnte es sich um Bergsteiger handeln, die im vergangenen Jahr als vermisst gemeldet, aber bisher nicht gefunden worden waren, hiess es vom nepalesischen Tourismusministerium.

Das Camp 4 ist das höchstgelegene auf dem Everest, das von Kletterern als letzte Rast vor dem Aufstieg zum 8848 Meter hohen Gipfel genutzt wird. Direkt darüber, auf etwa 8000 Metern, beginnt die so genannte Todeszone.

Der US-Kenner des Mount Everest Alan Arnette vermutete in seinem Blog, die vier Bergsteiger seien an einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gestorben, als sie in ihrem Zelt Gaskocher benutzt hätten. "Das ist nicht nur traurig, sondern völlig unverantwortlich", schrieb Arnette. Sollte seine Vermutung zutreffen, bedeute dies, dass "grundlegende Camping-Regeln" missachtet worden seien.

Insgesamt starben in dieser Saison bereits zehn Bergsteiger am Mount Everest, unter ihnen der Schweizer Ueli Steck. Erst am Wochenende waren vier Menschen am höchsten Gipfel der Welt ums Leben gekommen.

Als Todesursache wurde die Höhenkrankheit vermutet. Es war das tragischste Wochenende auf dem "Dach der Welt" seit dem Lawinenunglück mit 18 Toten im Jahr 2015.

Der Slowake Vladimir Strba wurde einige hundert Meter vom Gipfel entfernt tot entdeckt - in der sogenannten Todeszone oberhalb von 8000 Metern, wo der Sauerstoffmangel die Funktion der menschlichen Organe beeinträchtigt. Ein Bergungstrupp, der Strbas Leiche bergen sollte, stiess dann auf die vier Leichen im Zelt.

Mehr als 382 Bergsteiger erreichten den 8848 Meter hohen Gipfel von der Südseite her; rund 120 weitere schafften es von der tibetischen Seite. Die kurze Bergsteigersaison im Himalaya dauert nur von April bis Ende Mai. Ab Juni sorgt der Monsun-Regen für erschwerte Bedingungen.

Nepal stellte für diese Saison die Rekordzahl von 373 Genehmigungen für die Besteigung des Mount Everest aus. Auf tibetischer Seite wurden 136 Mal eine Erlaubnis erteilt, den Berg von der Nordflanke her zu erklimmen.

Derweil bestritten mehrere erfahrene Alpinisten Angaben, wonach der Hillary Step zerstört sein soll. Die zwölf Meter hohe Felsstufe, das letzte Hindernis auf dem Weg zum Gipfel, sei "unverändert", hiess es.

Allerdings sei ein grosser Stein oberhalb davon herabgestürzt, erklärte Pemba Dorje Sherpa, der am Samstag zum 16. Mal den Gipfel bezwang. "Deswegen war es einfacher, den Gipfel zu erreichen, aber vielleicht hat das die Leute verwirrt und sie dachten, die Stufe sei weg."

(SDA)