Derivate-Anbieter mit Problemen«Leonteq hat quasi noch einmal eine Gewinnwarnung gegeben»

Nach einer Gewinnwarnung im Dezember verschärft Leonteq sein Sparprogramm und gibt einen trüben Ausblick. Analysten sprechen von einer erneuten Gewinnwarnung. Die Aktie von Leonteq stürzt weiter ab.
09.02.2017 10:09
Leonteq-Standort an der Zürcher Europaallee.
Leonteq-Standort an der Zürcher Europaallee.
Bild: cash

Zusätzlich zu den bereits angekündigten zehn Millionen Franken will Leonteq eigenen Angaben vom Donnerstag zufolge unter anderem mit flexiblen Arbeitszeitmodellen die Kosten um weitere 18 Millionen Franken drücken.

Schwierige Marktbedingungen und zu hohe Investitionen führten 2016 zu einem Gewinneinbruch um drei Viertel auf 17,2 Millionen Franken. Entsprechend will Leonteq für das abgeschlossene Jahr keine Dividende zahlen, nachdem 2015 noch 1,75 Franken pro Titel ausgeschüttet wurden. Im zweiten Halbjahr 2016 verbuchte Leonteq einen Verlust von 20 Millionen Franken. 

Die Aktie von Leoteq verliert am Donnrstag an der SIX im frühen Handel 6 Prozent. Seit Anfang Ausgust 2015 hat die Aktie 86 Prozent verloren. 

"Meine Kollegen und ich sind entschlossen, alles Notwendige zu unternehmen, um unserem Geschäft wieder zu solidem und profitablem Wachstum zu verhelfen und das Vertrauen in Leonteq wiederherzustellen", erklärt Firmenchef Jan Schoch.

Angesichts des schwachen Jahresauftakts werde 2017 ein weiteres Jahr voller Herausforderungen. Die zusätzlichen Kostensparmassnahmen reichten ohne solides Ertragswachstum möglicherweise nicht aus, um zur Rentabilität zurückzukehren.  

"Insofern ist für 2017 wohl nur mit einem Gewinn zu rechnen, wenn sich die Ertragsseite spürbar erholen kann", schreibt die Zürcher Kantonalbank (ZKB) in einem Kommentar und rechnet auch für 2017 mit keiner Dividende. Der ZKB-Analyst spricht davon, dass für 2017 quasi nochmals eine Gewinnwarnung abgegeben worden sei. Trotz der angekündigten Massnahmen sei es noch zu früh, Licht am Ende des Tunnels zu sehen. Der Leonteq-Aktienkurs werde dem des Schweizer Marktes nicht ganz folgen können.

Geschäftsleitung wieder verkleinert

Um die Effizienz des Managements zu stärken, dampft Leonteq die Geschäftsleitung auf sechs von elf Mitgliedern ein. Noch Ende September 2016 war der Ausbau des Top-Managements um vier Mitglieder bekannt gegeben worden. Zudem werde aus dem Kreis der fünf Geschäftsleitungsmitglieder zu gegebener Zeit ein stellvertretender CEO ernannt, der sich hauptsächlich auf neue Geschäfte und die Entwicklung der Beziehungen zu den wichtigsten Partnern und Kunden konzentrieren soll.

Wie bereits im Dezember mitgeteilt, will die Geschäftsleitung für das Jahr 2016 angesichts der stark rückläufigen Gewinnzahlen auf ihre variable Vergütung verzichten. Verwaltungsratspräsident Pierin Vincenz sowie der Vizepräsident Lukas Ruflin hätten auf 34 Prozent  bzw. 22 Prozent ihrer jeweiligen Kompensation für die laufende Amtszeit verzichtet, heisst es weiter.

Leonteq litt vor allem unter einem stark gestiegenen Geschäftsaufwand, gleichzeitig gingen aber auch die Erträge zurück. Der Betriebsertrag bildete sich im abgelaufenen Jahr um 6% auf 209,9 Mio CHF zurück, wie Leonteq am Donnerstag mitteilte. Der Aufwand kletterte dagegen um 26% auf 189,4 Mio CHF in die Höhe.

Leonteq hatte bereits im Dezember 2016 eine Gewinnwarnung publiziert und dabei Zahlen in dieser Grössenordnung angekündigt. Mit den Ergebnissen hat das Unternehmen denn auch die Erwartungen der Analysten erfüllt: Im Durchschnitt (AWP-Konsens) hatten diese einen Betriebsertrag von 206,9 Mio und einen Reingewinn von 16,6 Mio erwartet.

(AWP/cash/Reuters)