Lesbenorganisationen fordern Recht auf Samenspende

Seit 2018 dürfen gleichgeschlechtliche Paare Stiefkinder adoptieren. Die Verfahren haben sich allerdings als langwierig und risikoreich erwiesen. Die Lesbenorganisation LOS und der Dachverband Regenbogenfamilien setzen ihre Hoffnung nun auf "Ehe für alle".
30.08.2019 11:45

Die Vorlage wird am Freitag von der Rechtskommission des Nationalrats beraten. Der Vernehmlassungsentwurf ist fast durchwegs positiv aufgenommen worden. Gleichgeschlechtliche Ehepaare sollen grundsätzlich dieselben Rechte und Pflichten haben wie verschiedengeschlechtliche. Namentlich sollen sie Kinder adoptieren dürfen.

Um die Gesetzesänderungen nicht zu belasten, hat die Kommission die Themen Altersvorsorge und Fortpflanzungsmedizin ausgeklammert. Allerdings schickte sie auch eine Variante in die Vernehmlassung, die die Samenspende für lesbische Paare erlauben würde. Heute steht diese Möglichkeit nur gemischtgeschlechtlichen Ehepaaren offen.

Unter dem Motto "Recht auf Samen, Amen", hatten LOS und der Dachverband Regenbogenfamilien am Freitag zu einer Kundgebung in Bern aufgerufen. Rund 50 Personen gingen für die Variante der Rechtskommission auf die Strasse: Ist die Mutter im Zeitpunkt der Geburt eines Kindes mit einer Frau verheiratet, soll diese automatisch als anderer Elternteil gelten. Die Elternschaft ab Geburt würde lesbischen Paaren den Zugang zur Samenspende ermöglichen.

Der Entwurf sei schlank, elegant und würde mit einem Schlag alle Probleme lösen, sagte Salome Zimmermann, Co-Präsidentin von LOS, vor den Medien in Bern. Die Diskriminierung von lesbischen Paaren und ihren Kindern würde so beendet. Vertreterinnen beider Organisationen betonten, dass die Stiefkindadoption für homosexuelle Paare ein wichtiger Schritt gewesen sei. Doch habe sich seit der Inkraftsetzung gezeigt, dass diese viele neue Probleme nach sich ziehe.

Die Betroffenen litten insbesondere unter den langen Wartefristen, den hohen Kosten und dem Druck des Adoptionsverfahrens. Dieses könne auch für die betroffenen Kinder äusserst belastend sein. Insgesamt sei die Stiefkindadoption nicht zugeschnitten auf gemeinsame Wunschkinder, sagte Nadja Herz, Co-Präsidentin von Los.

Hinzu kommt, dass schon der Weg zum gemeinsamen Wunschkind steinig ist. Wegen dem Samenspende-Verbot versuchen viele lesbische Paare ihr Glück im Ausland, was mit hohen Kosten verbunden ist. Oft treibt der Kinderwunsch die Frauen auch in die Arme von dubiosen Samenspendern, was gesundheitliche und rechtliche Risiken mit sich bringt.

Wie viele Kinder mit gleichgeschlechtlichen Eltern aufwachsen, ist nicht bekannt. Nach Schätzungen des Dachverbands Regenbogenfamilien könnten es bis zu 30'000 sein, wie Geschäftsführerin Maria von Känel sagte. Bekannt ist, dass die Nachfrage nach Beratung ständig steigt. "Der Leidensdruck ist gross bei den Familien", sagte von Känel.

Die Variante der Rechtskommission würde das Problem allerdings nur für lesbische Paare lösen. Damit schwule Paare Kinder bekommen könnten, müssen Eizellenspende und Leihmutterschaft zugelassen werden. Dafür sind die politischen Hürden ungleich grösser als für die Samenspende, die für heterosexuelle Ehepaare heute schon zulässig ist.

Es handle sich dabei nicht um eine rechtliche, sondern um eine natürliche Diskriminierung, erklärte Zimmermann. Männer könnten nun einmal keine Kinder austragen.

(SDA)