Lifestyle-Produkte statt Pfannenuntersetzer für die Mutter

Früher selbst gepflückte Blumen, heute Erlebnisse und Lifestyle-Produkte: Die Geschenke zum Tag der Mutter haben sich in der über 100-jährigen Tradition des Muttertags verändert. Trumpf bleiben die bunten Blumensträusse.
13.05.2017 08:00

Ein liebevoll aufgedeckter Frühstückstisch, ein Strauss mit frisch gepflückten Blumen oder ein selbstgemaltes Bild: Damit habe man früher der Mutter seine Wertschätzung gezeigt, sagt Sven Gubler von BernCity, der Organisation der Berner Innenstadt, auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.

Heute scheint der Grad an eigener Aktivität niedriger zu sein: Kinder und Väter neigten dazu, ein Geschenk oder einen Service - wie ein Essen im Restaurant oder ein Erlebnis - zu kaufen. Gemäss Gubler liegt das daran, dass in den letzten zehn Jahren der materielle Aspekt zugenommen hat. Bei den Geschenken stünden Lifestyle-Produkte im Vordergrund.

Ähnliche Beobachtungen macht man bei Manor, wie das Warenhaus auf Anfrage mitteilte. Nachdem früher vermehrt nützliche Geschenke wie Haushaltsartikel oder eben Selbstgebasteltes verschenkt worden seien, gehe der Trend heute hin zu klassischen Parfums oder Restaurantbesuchen.

Zudem geraten auch Schmuck und Mode zunehmend ins Blickfeld von Vätern und Kindern, die der Mutter ihre Wertschätzung ausdrücken wollen. Kinder würden vor allem Emoji- und kleine Herzkissen oder Tassen mit dem Aufdruck "Mum you're the best" schenken.

Der Muttertag ist gemäss Gubler wie in der Gastronomie auch für den Handel zu einem fixen Tag avanciert, für welchen spezifische Aktionen geplant werden. So würden Geschäfte nun auch vor dem zweiten Sonntag im Mai jene Produkte in ihren Verkaufsregalen speziell anpreisen, welche bisher insbesondere bei klassischen Ereignissen wie Weihnachten hervorgehoben worden seien.

Das beliebteste Muttertags-Geschenk bleibt gemäss Manor aber der Blumenstrauss. Für die Blumengeschäfte ist der Muttertag denn auch der bedeutendste Tag im Jahr, wie die Vereinigung des schweizerischen Blumengrosshandels mitteilt. Rund fünf Prozent des Jahresumsatzes mache die Branche an diesem Tag. Damit liege der Muttertag noch vor dem Valentinstag. Die Rose sei auch an diesem Ehrentag die beliebteste Wahl, häufig verpackt in einem bunten Bouquet.

Der Ehrentag für die Mütter hat eine über 100-jährige Tradition. Seine Gründung wird der Amerikanerin Anna Marie Jarvis zugeschrieben, die ihrer wohltätigen Mutter gedenken wollte. 1914 erklärten der US-Kongress und der damalige US-Präsident Woodrow Wilson den zweiten Sonntag im Mai zum nationalen Muttertag. In der Schweiz setzte sich der Muttertag in den 1930er-Jahren in grossen Teilen der Bevölkerung durch.

Seither und insbesondere in den letzten Jahren hat sich gemäss Gubler die klassische Mutterrolle verändert: Die Mutter werde nicht mehr klar mit Küche und Haushalt verbunden, was sich auch auf den Handel ausgewirkt habe. Entsprechend werden die Mütter an diesem Sonntag wohl eher mit Nike-Turnschuhen oder Erlebnis-Gutscheinen als mit Pfannenuntersetzern oder selbstgebastelten Staubwedeln beschenkt werden.

(SDA)