Linke Regierungen Lateinamerikas verurteilen Absetzung Rousseffs

Mehrere linksgerichtete Regierungen in Lateinamerika haben die Amtsenthebung der brasilianischen Präsidentin Dilma Rousseff scharf kritisiert. Venezuela und Bolivien beorderten ihre Botschafter aus Brasília zurück. Brasilien tat teilweise dasselbe.
01.09.2016 05:09

Venezuela kündigte den definitiven Abzug des Botschafters in Brasilien und das Einfrieren der Beziehungen an. Die Amtsenthebung Rousseffs stelle einen "historischen Verrat am brasilianischen Volk dar", hiess es in einer Erklärung des venezolanische Aussenministeriums. Sie verletze die Verfassung und schade der Demokratie.

Brasilien reagierte mit dem Abzug des Botschafters in Caracas. Die Haltung der Regierung Nicolás Maduros zeige eine "tiefe Unkenntnis" der brasilianischen Gesetzgebung und stelle eine frontale Verweigerung der lateinamerikanischen Integration dar.

Maduro ist selbst mit Bemühungen der Opposition zu seiner Absetzung konfrontiert. Er zog in der Vergangenheit mehrmals Parallelen zwischen den Vorgängen in Venezuela und in Brasilien: In beiden Ländern versuchten "oligarchische und imperiale Kreise", linksgerichtete Regierungen zu stürzen, sagte er.

Auch die Regierung Ecuadors verurteilte die Absetzung der brasilianischen Staatschefin. Der "vertuschte Staatsstreich" gefährde die politische Stabilität in der Region, erklärte Aussenminister Guillaume Long.

Der ecuadorianische Geschäftsträger in Brasília sei nach Quito zurückgerufen worden. Ecuador hatte bereits nach der Suspendierung Rousseffs im Mai seinen Botschafter abgezogen. Ecuador gehörte ebenfalls zu den Ländern, aus denen Brasilien seinen Botschafter zu Konsultationen einbestellte.

Nicaraguas Staatschef Daniel Ortega bezeichnete das Impeachment-Verfahren gegen Rousseff als "ungerecht". Es sei der Beginn von "schweren Zeiten" für das brasilianische Volk. Die kubanische Regierung bezeichnete am Mittwoch die Absetzung Rousseffs als einen "richterlich-parlamentarischen Staatsstreich".

Brasiliens Aussenministerium bedauerte das "Unverständnis" der Regierungen von Ecuador, Bolivien und Kuba und forderte sie auf, die Werte der regionalen Beziehungen aufrechtzuerhalten.

Die konservative Regierung des argentinischen Präsidenten Mauricio Macri setzte indessen auf eine Stärkung des südamerikanischen Staatenbundes Mercosur mittels einer erneuerten Zusammenarbeit mit Brasilien. Argentinien respektiere das institutionelle Verfahren im Nachbarland.

(SDA)