Mann wollte Abkommen zur Beilegung des Bosnien-Krieges verkaufen

In der Nähe von Sarajevo ist ein Mann festgenommen worden, der eine englische Originalversion des Friedensabkommens von Dayton verkaufen wollte. Das Abkommen besiegelte 1995 das Ende des Bosnien-Krieges, in dem rund 100'000 Menschen getötet wurden.
01.11.2017 17:06

Nach Medienberichten vom Mittwoch wollte der 48-Jährige das historische Dokument für 100'000 bosnische Mark (50'000 Euro) verkaufen. Wie der Mann in den Besitz des Originals kam, blieb zunächst unklar.

Mit dem von den USA vermittelten Friedensabkommen von Dayton wurde Bosnien-Herzegowina 1995 als Zusammenschluss aus der serbischen Republika Srpska und der muslimisch-kroatischen Föderation gegründet. Unterzeichner waren der damalige serbische Präsident Slobodan Milosevic, der kroatische Präsident Franjo Tudjman sowie der bosnische Präsident Alija Izetbegovic.

Der Mann soll ein englisches Original des bedeutsamen Abkommens in seinem Haus in Pale aufbewahrt haben. Nachdem er versucht hatte, das Originaldokument zu verkaufen, wird ihm nun unter anderem Unterschlagung vorgeworfen. Er hatte der Tageszeitung "Dnevni Avaz" zufolge als Chauffeur und Leibwächter für den ehemaligen Präsidenten der 1992 ausgerufenen Republika Srpska, Dragan Kalinic, gearbeitet.

Zunächst blieb unklar, ob es sich bei der Urkunde um das serbische oder um das bosnische Exemplar des Abkommens handelt. Sowohl die Behörden aus Sarajevo als auch aus Belgrad hatten in den vergangenen Jahren bestätigt, nicht mehr im Besitz der Originale zu sein.

Der kroatische Vorsitzende des Staatspräsidiums von Bosnien-Herzegowina, Zeljko Komsic, wies 2008 auf den "Verlust" des bosnischen Originals hin. Frankreich stellte daraufhin Ende 2009 eine beglaubigte Kopie des Friedensabkommens aus.

(SDA)