Geldpolitik - Was die Finanzmärkte nach den neuen Draghi-Tönen erwarten

EZB-Chef Mario Draghi gab sich am Donnerstag vorsichtig-optimistisch: Wie sieht der Fahrplan der EZB in den nächsten Monaten aus?
10.03.2017 15:17
Euro-Symbol und Turm der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Euro-Symbol und Turm der Europäischen Zentralbank in Frankfurt.
Bild: cash

Die Euro-Notenbank rüttelte am Donnerstag zwar nicht an den Leitzinsen und will auch ihre in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe wie geplant fortsetzen. Damit signalisierte EZB-Chef Mario Draghi den Finanzmärkten, dass die massiven Konjunkturhilfen auch in den kommenden Monaten beibehalten werden. Notenbank-Experten nahmen den Tenor seiner Bemerkungen zur Konjunktur aber als zuversichtlicher wahr als noch im Januar.

Was hat sich geändert?

Entgegen der Erwartung mancher Ökonomen hielt die Europäische Zentralbank (EZB) an ihrem geldpolitischen Ausblick - der sogenannten Forward Guidance - fest. Die Option auf noch niedrigere Zinsen wurde bekräftigt. Doch es gab laut Draghi im EZB-Rat eine Diskussion darüber, ob die Option einer weiteren Zinssenkung im Ausblick gestrichen werden sollte. Die Wahrscheinlichkeit einer Senkung sei zudem geringer geworden.

Draghi zufolge hat sich auch die Risikoeinschätzung zur wirtschaftlichen Lage im Euro-Raum verbessert. Die Wachstumsaussichten würden nun optimistischer eingestuft. Die EZB strich darüber hinaus einen bisher stets bekräftigten Passus, dass die Notenbank, wenn erforderlich, alle innerhalb ihres Mandats verfügbaren Instrumente nutzen werde. Laut Draghi gibt es eine solche Dringlichkeit nicht mehr. Die Gefahr, dass sehr negative Szenarien Wirklichkeit würden, habe abgenommen.

Sie deuten Experten die Bemerkungen?

Viele Ökonomen sehen in den Äusserungen einen ersten vorsichtigen Wandel in der Tonlage. "Die Strategie ist, den Boden zu bereiten für eine Tapering-Ankündigung nach den Wahlen in den Niederlanden und in Frankreich, wenn Wachstum und Inflation dem aktuellen Pfad folgen", schätzt der Chefökonom des Bankhauses ING-Diba, Carsten Brzeski. Tapering ist das allmähliche Herunterfahren der Anleihenkäufe Richtung null. Derzeit kauft die Notenbank monatlich noch Wertpapiere im Volumen von 80 Milliarden Euro. Ab April sollen es 60 Milliarden sein.

Die Experten Daniele Antonucci und Joao Almeida von US-Investmentbank Morgan Stanley gehen davon aus, dass die EZB ihre Konjunkturhilfe nun nicht mehr weiter verstärkt, selbst wenn sie sich noch ihre Optionen offen hält. Sie erwarten, dass der EZB-Rat womöglich auf seiner Juni-Sitzung darauf hinweist, dass die Risikobilanz nun ausgeglichen sei und Gefahren nicht mehr überwiegen würden. "Im September, wenn sich die Voraussagen wie erwartet einstellen, wird die EZB wahrscheinlich eine weitere Verringerung der monatliche Käufe ankündigen", so die Experten. Das auf 2,28 Billionen Euro angelegte Anleihen-Kaufprogramm soll nach bisheriger Planung Ende 2017 auslaufen.

Was erwarten die Märkte, wie es weitergeht?

An den Finanzmärkten wird auf eine Veränderung des Einlagenzinses im kommenden Jahr spekuliert. Terminkontrakte zeigen für März 2018 einen Interbankenzins von minus 0,25 Prozent an. Aktuell liegt der sogenannte Eonia-Satz bei minus 0,35 Prozent. Die Differenz bedeutet Börsenexperten zufolge, dass darauf gewettet wird, dass die EZB ihre Einlagenzinsen im Frühjahr 2018 um zehn Basispunkte auf dann nur noch minus 0,3 Prozent anhebt.

BayernLB-Ökonom Johannes Mayr leitet aus den Draghi-Aussagen sogar ab, dass eine Anpassung beim Einlagensatz vor einer Beendigung des Anleihen-Kaufprogramms möglich sein könnte. "Ein Argument hierfür ist, dass die negativen Folgen der Negativzinsen damit verringert würden." Banken klagen seit längerem über den negativen Satz. Denn dieser bedeutet, dass sie Strafen zahlen müssen, wenn sie über Nacht Geld bei der Notenbank parken. 

(Reuters)