Banken und Pharma belasten Schweizer Börse

Der SMI ist mit Abgaben in die neue Handelswoche gestartet. Der Leitindex SMI setzt damit den Vorwochentrend fort, als er um gut 2 Prozent nachgegeben und den positiven Jahresstart fast schon vergessen gemacht hatte.
23.01.2017 10:54
Paradeplatz in Zürich mit Sitz der UBS im Hintergrund: Die Bankaktien stehen am Montag bei den Anlegern auf der Verkaufsliste.
Paradeplatz in Zürich mit Sitz der UBS im Hintergrund: Die Bankaktien stehen am Montag bei den Anlegern auf der Verkaufsliste.
Bild: cash
Als Grund verweisen Händler auf die Antrittsrede des neuen US-Präsidenten Donald Trump. Unter dem Strich sei dies eine neuerliche Enttäuschung gewesen sei und habe vor allem in wirtschaftspolitischer Sicht nicht die erhoffte Klarheit gebracht. Banken, Versicherungen und Pharma werden von dem Stimmungsdämpfer am deutlichsten getroffen. SGS stehen nach der Zahlenvorlage im Fokus.
 

Donald Trump hatte am Freitagabend in seiner Antrittsrede einen neuen politischen Kurs des Handelns angekündigt und seine Absicht wiederholt, amerikanische Interessen an erste Stelle zu setzen. Weitere Ausführungen auf der Internetseite des Weissen Hauses spiegelten weitgehend die Haltung des Republikaners im Wahlkampf wider. Details zu Themen wie der Steuer- und Fiskalpolitik suchten Investoren hingegen weiterhin vergeblich. Im Tagesverlauf stehen keine wichtigen Konjunktursignale auf der Agenda.

Der Swiss Market Index (SMI) notiert um 9.30 Uhr 0,68% tiefer auf 8'218,74 Punkten. Der breite Swiss Performance Index (SPI) verliert 0,58% auf 8'993,37 Stellen und der 30 Titel umfassenden Swiss Leader Index (SLI), in dem die grössten Titel nicht mit der ganzen Gewichtung enthalten sind, gibt 0,62% auf 1'10,44 Punkte nach. Von den 30 wichtigsten Titeln stehen zwanzig im Minus und zehn im Plus.

UBS und CS velieren

Angeführt wird die Verliererliste von den Grossbanken CS (-2,2%) und UBS (-1,9%), aber auch Julius Bär (-0,9%) geben stärker ab, ebenso wie Zürich (-1,2%) Swiss Life und Swiss Re (je -0,8%).

Die SGS-Aktien (-0,6%) zeigen sich nach Veröffentlichung der Jahreszahlen ebenfalls schwächer. Der Inspektions- und Warenprüfkonzern ist zwar gewachsen, musste aber erneut einen Rückgang der operativen Marge hinnehmen. Mit den wichtigsten Kennzahlen hat die Gesellschaft die Vorgaben der Analysten knapp verfehlt. Eine positive Überraschung ist einzig das angekündigte Aktienrückkaufprogramm.

Die beiden Pharmaschwergewichte Roche (-0,7%) und Novartis (-1,1%) geben deutlich ab. Roche hat am Morgen die Markteinführung eines neuen Blutanalysesystems in Europa bekannt gegeben. Bei Novartis wird eine Meldung aus der Sonntagspresse diskutiert: Demnach will CEO Joe Jimenez sein Amt in zwei Jahren niederlegen. Zuvor wolle der Novartis-Chef aber noch die Augenheilsparte Alcon sanieren, hiess es im Artikel. Denn bei einem Verkauf der Sparte im gegenwärtigen Zustand drohe ein Goodwill-Abschreiber von rund 18 Mrd USD.

Verluste verbuchen auch Actelion (-0,4%). Das Unternehmen hat am Morgen Studienergebnisse zum Wirkstoff Macitentan bei Patienten mit pulmonaler arterieller Hypertonie (PAH) bekanntgegeben. Die Studie habe ihr primäres Ziel verfehlt, hiess es.

Zum dritten Schwergewicht, Nestlé (-0,3%), liegt eine neue Einschätzung der Barclays-Analysten vor. Sie bestätigen ihre Einstufung "Overweight", senken aber das Kursziel leicht. Die Situation für die Nahrungsmittelbranche sei derzeit nicht einfach, meinen sie. Die Aktie sei wegen ihrer historisch gesehen tiefen Bewertung jedoch unterbewertet. Laut einem Pressebericht hat die chinesische Bright Foods die britische Marke Weetabix zum Verkauf gestellt. Dabei wird auch Nestlé als ein möglicher Interessent genannt.

Die beiden Uhrentitel von Richemont (+0,4% und Swatch (+0,1%) können leicht zulegen. Bei Richemont wird laut der Sonntagspresse Kritik aus den eigenen Reihen laut. "Die Euphorie der letzten Jahre hat zu Exzessen bei der Erhöhung der Preise geführt, die nicht mehr viel Bezug zum Wert des Produktes hatten", wurde ein ehemaliger Verwaltungsrat der Gesellschaft in einem Artikel zitiert.

Auch Givaudan, Geberit und Lonza (je +0,3%) können etwas deutlicher zulegen.

Am breiten Markt sind U-blox (+2,9%) im Fokus, nachdem der Halbleiterhersteller am Freitagabend die grösste Übernahme der Firmengeschichte angekündigt hat. Von SIMCom wird die Produktlinie für zelluläre Modem-Module zum Preis von rund 53 Mio USD übernommen.

Interroll (+1,9%) hat Auftragseingang und Umsatz auf Rekordwerte gesteigert. Das Unternehmen hat dabei die Umsatz-Prognosen der Analysten übertroffen und rechnet bei Betreibs- und Reingewinn mit einem Plus gegenüber dem Vorjahr.

Meyer Burger (+1,3%) hat Aufträge im Volumen von rund 19 Mio CHF von drei asiatischen Kunden gemeldet. GAM (-3,6%) werden laut Händlern durch eine Herabstufung von CS belastet.

(AWP)