Marroni-Ernte im Tessin mit leichtem Plus

Im Jahr 2014 fiel die Marroni-Ernte im Tessin beinahe aus. Schuld war die Kastanien-Gallwespe, welche den Bäumen schwer zusetzte. Mittlerweile hat der Parasit einen natürlichen Widersacher, so dass sich der Kastanien-Bestand 2016 weiter erholen kann.
03.11.2016 16:33

In den drei Sammelzentren in Muzzano, Stabio und Cadenazzo seien insgesamt 10 Tonnen Kastanien abgegeben worden, sagte Paolo Bassetti am Donnerstag auf Anfrage. Erwartet waren nur sechs bis acht Tonnen. Bassetti ist verantwortlich für die Sammelstellen und verarbeitet die kleinen Kastanien auch zu Mehl weiter. Die grossen Exemplare werden dagegen direkt an Grossmärkte weiterverkauft.

Auch wenn sich die Erträge in diesem und letzten Jahr wieder gesteigert hätten, sei man noch weit vom langjährigen Mittelwert entfernt, so Bassetti.

Grund für das Tessiner "Marroni-Revival" ist eine asiatische Wespe, die sich "torymus sinensis" nennt und ein natürlicher Feind der Gallwespe ist. Das aus dem italienischen Piemont eingewanderte Insekt ernährt sich von den Larven der Kastanien-Gallwespe und macht ihr so das Leben schwer.

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hatte dem Kanton Tessin 2012 noch untersagt, die Schlupfwespenart im grossen Stile anzusiedeln, um dem Kastanien-Schädling Paroli zu bieten. Die ökologischen Risiken seien noch nicht genau untersucht, lautete damals die Begründung. Nun folgte die Schlupfwespe ihrer Nahrung und kam von alleine in die Schweiz.

Wenn die Entwicklung anhalte, dann könnten im Tessin auch im nächsten Jahr wieder mehr Früchte in die Körbe der Maroni-Sammler wandern, hofft Bassetti.

Auch wenn die Kastanien im Tessin nicht mehr ein so bedeutender Wirtschaftsfaktor sind wie im benachbarten Piemont, stellen die Bäume einen wichtigen "Schutzwald" gegen Lawinen und Erdrutsche dar. Nicht zuletzt ist die Edelkastanie auch ein Teil der Tessiner Identität, da ihre Früchte jahrhundertelang die Nahrungsgrundlage für viele Familien bildeten.

(SDA)