Mehr Polizei bei Risikospielen und Expertenrunde gegen Fangewalt

Der Stadtzürcher Sicherheitsvorsteher und die Fussball-Clubs GC und FCZ reagieren auf die zunehmende Gewalt zwischen Fangruppen. Sie wollen die Gespräche und die Fanarbeit intensivieren und bei Hochrisikospielen die Polizeipräsenz verstärken.
27.10.2017 15:07

Nach der Gewalteskalation zwischen randalierenden Fussballfans vom vergangenen Wochenende in Zürich steht laut Polizeivorsteher Richard Wolff (AL) für alle Beteiligten viel auf dem Spiel: Die Glaubwürdigkeit für die Politik und die Clubs sowie das neue Stadion.

Wie Wolff am Freitag vor den Medien ausführte, ist es nun wichtig, dass alle am selben Strang ziehen. "Nur gemeinsam sind Lösungen möglich." Deshalb sollen die seit Jahren stattfindenden Gespräche wieder intensiviert werden.

Von drakonischen und überstürzten Massnahmen - etwa Geisterpielen - hält Wolff nichts. Für das Hochrisikospiel vom kommenden Samstag wird allerdings die Polizeipräsenz verstärkt, wie er weiter sagte. Für ihn ist jedoch klar: "Die Polizei allein kann das Problem nicht lösen." Es brauche mehr Einsatz von den Clubs, den Fans und der Öffentlichkeit.

Gemäss Wolff müssen alle hinstehen und klar sagen: "Wir wollen nicht, dass jemand im Namen unseres Clubs Leute vermöbelt- egal wo, ob im oder ausserhalb des Stadions."

In diesem Punkt ist die Meinung von Wolff und den Club-Präsidenten nicht ganz identisch. Wie GC-Präsident Stephan Anliker und FCZ-Präsident Ancillo Canepa gemeinsam mitteilten, zeigen die aktuellen Gewalttaten, dass sich diese immer mehr auf Standorte weit ausserhalb des Stadions verlagern. Im Stadion selber herrsche mittlerweile weitgehend eine positive Atmosphäre.

Die beiden Fussballvereine hätten aber weder die Kompetenzen noch andere Möglichkeiten, an entlegenen Tatorten bei Ausschreitungen Einfluss zu nehmen.

Die Vereine seien dort "ganz auf die Behörden angewiesen und unterstützen diese seit Jahren nach ihren Möglichkeiten". Dies werde man auch weiterhin tun und auch zusätzliche Massnahmen treffen - falls diese in die Kompetenzen der Clubs fallen.

Um die Situation nach dem Derby vom vergangenen Wochenende zu entschärfen, wollen die Clubs ein lokales Experten-Gremium schaffen. Dieses soll Verbesserungen der Fanarbeit und der Gewaltprävention im Club-Fussball aufzeigen.

Das Experten-Team soll in den kommenden Wochen nominiert werden. Die Clubs wollen explizit eine fussballbezogene Beurteilung der Situation und diese danach mit den politischen Behörden und der Öffentlichkeit teilen.

"Wir wollen uns ganz spezifisch im Bereich Prävention und Fanarbeit nochmals verbessern. Es soll unser konstruktiver Beitrag zu einem gesellschaftlichen Problem sein", wird GC-Präsident Stephan Anliker im Communiqué zitiert. Gewalt im öffentliche Raum betreffe nicht nur die Fussball-Clubs, sondern die gesamte Bevölkerung.

Am vergangenen Samstagabend war vor dem Derby FCZ gegen GC ein 14-Jähriger von Unbekannten angegriffen und mit Faustschlägen und Fusstritten traktiert worden. Der Teenager erlitt erhebliche Verletzungen am Kopf und am Oberkörper.

Bereits vor dieser Attacke hatte die Stadtpolizei Zürich ein Aufeinandertreffen von mehreren hundert gewaltbereiten rivalisierenden Fans an der Pfingstweidstrasse mit Reizstoff und Gummischrot verhindert.

Um Mitternacht musste die Polizei erneut ausrücken - am Limmatplatz hatten sich rund fünfzig vermummte Fussballfans versammelt. Sie bewarfen die Patrouillen mit Steinen und Flaschen. Zehn Personen wurden verhaftet. Eine Polizistin wurde am Kopf verletzt. Dies seien traumatische Erlebnisse für die Polizei, sagte Wolff.

(SDA)