Mehrwertsteuersenkung könnte im Portemonnaie spürbar sein

Nach dem Nein zur Reform der Altersvorsorge sinkt im kommenden Jahr die Mehrwertsteuer um 0,3 Prozent. Davon könnten die Konsumentinnen und Konsumenten profitieren.
25.09.2017 15:33

Die Konsumentenschützer fordern deshalb, dass die Unternehmen das Geld, das sie mit den tieferen Mehrwertsteuersätzen einsparen, vollumfänglich an die Kundschaft weitergeben. Dies sagte André Bähler, Leiter Politik und Wirtschaft bei der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur sda.

Ob sich die Hoffnung auf tiefere Preise bei den Endkunden erfüllt, hängt laut Bähler von der Branche ab und davon, wie gut dort der Wettbewerb spiele. So habe sich nach dem Fall des Euro-Mindestkurses 2015 gezeigt, dass insbesondere der Detailhandel die Währungsgewinne weitergegeben habe.

Die grossen Detailhändler Migros und Coop kündigten am Montag bereits an, die Senkung der Mehrwertsteuer an die Kundschaft weiterzugeben. Coop teilte mit, die Senkung werde "vollumfänglich in Form von Preissenkungen" bei den Kunden ankommen.

Für die Unternehmen bedeutet die Umstellung der Mehrwertsteuersätze allerdings auch einen Mehraufwand. So müssen sie Kassensysteme und Buchhaltungssoftware auf die neuen Sätze abstimmen, was kostspielig ist. Dafür haben sie ausserdem nur wenige Monate Zeit.

Eine buchhalterische Herausforderungen seien Leistungen, die im alten Jahr erbracht, aber erst im neuen verrechnet werden, teilte die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft BDO mit.

Die Mehrwertsteuer sinkt nach dem Nein zu Rentenreform und Mehrwertsteuererhöhung um 0,3 Prozent. Grund ist das Auslaufen der IV-Zusatzfinanzierung. Dafür hatten Volk und Stände 2009 während sieben Jahren 0,4 Prozent zusätzlich bewilligt. Diese Periode läuft Ende 2017 aus. Die Mehrwertsteuer sinkt aber nicht um 0,4 Prozent, weil das Stimmvolk ab nächstem Jahr 0,1 Prozent der Bahninfrastruktur zugesprochen hat.

Ab dem 1. Januar 2018 beträgt der Normalsatz der Mehrwertsteuer damit noch 7,7 Prozent. Der Sondersatz für die Hotellerie sinkt von 3,8 auf 3,7 Prozent und der reduzierte Satz für Güter des täglichen Bedarfs bleibt unverändert bei 2,5 Prozent. Dadurch entgehen dem Staat im kommenden Jahr rund 700 Millionen Franken.

Längerfristig ist eine erneute Erhöhung der Mehrwertsteuer für die AHV aber nicht vom Tisch. Da der Reformbedarf weithin unbestritten ist, muss eine neue Vorlage her.

Bundesrat Alain Berset will noch im Herbst erste Gespräche mit Sozialpartnern, Parteien und dem Referendumskomitee führen, wie der Sprecher des Eidg. Departementes des Innern (EDI), Peter Lauener, am Montag gegenüber der Nachrichtenagentur sda sagte. Es gehe erst einmal um eine "Auslegeordnung". Die Form der Gespräche und der genaue Zeitplan sind noch offen.

(SDA)