Merkel ruft Gipfelteilnehmer des G20 zu Kompromissbereitschaft auf

Zum Auftakt des G20-Gipfels in Hamburg hat Bundeskanzlerin und Gastgeberin Angela Merkel die Teilnehmer zu Kompromissbereitschaft aufgerufen. Eine gemeinsame Lösung müsse aber nicht um jeden Preis angepeilt werden, sagte sie zu den Teilnehmenden.
07.07.2017 14:38

"Lösungen können oft nur gefunden werden, wenn wir kompromissbereit sind, wenn wir uns aufeinander zu bewegen", sagte Merkel zu Beginn der Arbeitssitzung am Freitagmittag, bei der es zunächst um die Fragen von Wirtschaftswachstum und Handel gehen sollte.

Die Bundeskanzlerin erteilte einer gemeinsamen Lösung um jeden Preis aber eine Absage: Sie sage "ganz ausdrücklich", dass es nicht darum gehe, "uns zu sehr zu verbiegen". Merkel fügte hinzu: "Denn es ist so, dass wir natürlich auch Unterschiede durchaus benennen können."

Die Menschen in der Welt hofften, dass die G20 einen Beitrag zur Lösung ihrer Probleme leisteten, sagte Merkel weiter und mahnte die Anwesenden: "Ich bin auch ganz sicher, dass jeder sich hier anstrengt, um gute Ergebnisse zu erreichen."

Die Bundeskanzlerin räumte ein, dass es noch offene Fragen im Abschlussdokument gebe. Die Unterhändler der Staats- und Regierungschefs "müssen noch einmal eine Nacht durcharbeiten, das gehört aber dazu", sagte Merkel mit Blick auf die noch ausstehende Textarbeit.

Besonders strittig sind auf dem G20 die Fragen des Klimaschutzes und des Handels. Dabei wird es vor allem auf die Haltung von US-Präsident Donald Trump ankommen. Der Gipfel der führenden Industrie- und Schwellenländer soll am Samstag mit der Veröffentlichung der Abschlusserklärung zu Ende gehen.

Papst Franziskus forderte die Gipfelteilnehmer auf, die Armen in ihren Entscheidungen besonders zu berücksichtigen. Den Armen und den Flüchtlingen müsse ohne Unterschied von Nation oder Religion "absoluter Vorrang eingeräumt" werden. Auch müssten bewaffnete Konflikt abgelehnt werden, schrieb das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche an Gastgeberin Merkel.

Der nächste G20-Gipfelausrichter Argentinien bezeichnete die Fortsetzung von Gipfeln dieser Art als wichtig für die Zukunft der Weltordnung. "Es gibt keine andere Möglichkeit, als Multilateralismus, als Treffen dieser Art", sagte der argentinische Kabinettschef von Präsident Mauricio Macri, Marcos Peña, am Freitag in Hamburg.

Die Frage der Austragungsart stellt sich auch vor dem Hintergrund der Ausschreitungen in Hamburg. Dabei waren seit Donnerstagabend 159 Sicherheitsleute verletzt worden. Mehrere Dutzende Personen wurden festgenommen. Die angespannte Sicherheitslage sorgte für Verspätungen und Änderungen des Gipfelprogramms.

Am Rande des Gipfels gibt es zahlreiche Einzeltreffen der teilnehmenden Staats- und Regierungschefs. Besondere Aufmerksamkeit dürfte dabei dem ersten direkten Gespräch zwischen Trump und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin am Freitagnachmittag zukommen.

Das Treffen ist für 15.45 Uhr geplant - damit dürfte Trump zumindest einen Teil der G20-Sitzung zu den Themen Klimaschutz und Energie verpassen, die nach bisheriger Planung um 15.30 Uhr beginnen soll.

In einem Tweet drückte Trump seine Freude über die anstehenden Treffen aus, "einschliesslich meines Treffens mit Wladimir Putin. Viel zu diskutieren." Er werde die USA gut repräsentieren und für ihre Interessen kämpfen, schrieb er weiter.

(SDA)