Mindestens 70 Tote bei Selbstmordanschlag auf Klinik in Pakistan

Bei einem Taliban-Selbstmordanschlag auf ein Spital in der südwestpakistanischen Provinz Belutschistan sind am Montag mindestens 70 Menschen getötet worden. Der Anschlagsort in der Millionenstadt Quetta war mit Leichen und Blutlachen übersät, es gab 112 Verletzte.
08.08.2016 18:24

Nach Angaben der Polizei sprengte sich der Attentäter inmitten von Menschen in die Luft, die sich im Gedenken an den kurz zuvor erschossenen Präsidenten des örtlichen Anwaltsvereins versammelt hatten.

Zu dem schwersten Anschlag in Pakistan seit Jahresbeginn bekannte sich die pakistanische Taliban-Gruppierung Jamaat-ul-Ahrar (Vereinigung der Freien). Bis zur Einführung "eines islamischen Systems in Pakistan" werde sie weitere Angriffe verüben, schrieb ein Sprecher der radikalen Gruppe in einer E-Mail an Journalisten.

Die Jamaat-ul-Ahrar hatte bereits den Bombenanschlag auf gemeinsam Ostern feiernde Christen in einem Park der nordostpakistanischen Metropole Lahore für sich reklamiert, bei dem im März 75 Menschen getötet worden waren.

In der Klinik in Quetta hatten sich zum Zeitpunkt des Anschlages etwa 200 Menschen versammelt, viele davon Anwälte und Journalisten. Sie wollten dort um den Präsidenten des örtlichen Anwaltsvereins, Bilal Anwar Kasi, trauern, der am Morgen auf dem Weg zur Arbeit von zwei Unbekannten erschossen worden war.

Augenzeugen berichteten von dramatischen Szenen nach dem Attentat in der Klinik. Der Ort des Anschlags war mit Leichen und schreienden Verletzten übersät. Zahlreiche Tote lagen in Blutlachen. Viele der Opfer trugen schwarze Anzüge und Krawatten, wie sie in Pakistan von Juristen getragen werden.

Die Explosion in der Hauptstadt der Provinz Belutschistan sei so heftig gewesen, dass zunächst niemand gewusst habe, was passiert sei, berichtete ein Augenzeuge.

Der Selbstmordattentäter habe eine Bombe aus acht Kilogramm Sprengstoff, Kugeln und Splittern gezündet, sagte der Chef der Sprengstoff-Einheit der Polizei, Abdul Razzaq, der Nachrichtenagentur AFP.

In der rohstoffreichen Provinz Belutschistan, die an den Iran und Afghanistan grenzt, sind radikale Islamistengruppen aktiv, die immer wieder blutige Anschläge auf die schiitische Minderheit verüben. Zudem kämpfen bewaffnete Separatisten mit Gewalt gegen die Sicherheitskräfte.

Quetta gilt seit langem als Sitz der Führung der afghanischen Taliban. Deren Anführer Mullah Achtar Mansur wurde im Mai durch einen US-Drohnenangriff getötet, als er von der iranischen Grenze aus in Richtung Quetta reiste.

Im vergangen Jahr war die Zahl der Todesopfer durch Angriffe von Aufständischen in Pakistan auf den niedrigsten Stand seit 2007 gesunken. Die instabilste Provinz des Landes ist weiterhin Belutschistan.

Auch eine Quelle, die der Terrormiliz des so genannten Islamischen Staates (IS) nahe steht, hatte sich zu Wort gemeldet und gesagt, der IS beanspruche den Angriff auf das Spital in Quetta für sich. Eine offizielle Stellungnahme der sunnitischen Fanatiker gab es zunächst nicht.

Die pakistanische Regierung beharrt darauf, dass der IS keine organisierte Präsenz im Land habe. Medien melden aber immer wieder Razzien und die Festnahme von Schläfern oder Kämpfern. Die IS-Terrormiliz selber sagt, sie wolle unter anderem auf pakistanischem und afghanischem Staatsgebiet eine neue IS-Provinz einrichten, die Khorasan-Provinz.

In Pakistan hatte sich der IS 2015 zu zwei grossen Anschlägen bekannt. Am 13. Mai 2015 hatten Kämpfer einen Bus mit Mitgliedern der Ismaeliten-Minderheit angegriffen und mindestens 45 Menschen getötet. Am 16. August 2015 hatte ein Selbstmordattentäter im Attok-Bezirk nahe der Hauptstadt Islamabad 14 Menschen in den Tod gerissen, darunter den Innenminister der Provinz Punjab, Shuja Khanzada.

In Afghanistan soll die Organisation derzeit rund 2500 Kämpfer haben, die meisten in der an Pakistan angrenzenden Provinz Nangarhar.

(SDA)