Mit Detektoren gegen den Schmuggel von atomarem Material

Der Bund rüstet sich gegen "schmutzige Bomben": Die Zollstellen sollen ab nächstem Jahr mit zusätzlichen Detektoren ausgerüstet werden, die radioaktives Material nachweisen können.
27.07.2017 15:40

Der Bund will die grossen Zollstellen und die Flughäfen mit festen Detektoren ausrüsten. Zudem sollen mobile, nur wenig Platz beanspruchende Geräte beschafft werden, die auch an anderen Orten - etwa bei Eingängen zu Fussballstadien - verwendet werden können.

Emmanuel Egger, der Leiter der Arbeitsgruppe Nuklearfragen beim Labor Spiez, bestätigte auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda einen Bericht der "Neuen Zürcher Zeitung" (NZZ) vom Donnerstag.

Eggers Team verfügt bereits über einen Kastenwagen, der mit einem ähnlichen Detektor ausgerüstet ist. Dieser wird in Zusammenarbeit mit der Polizei und dem Zoll eingesetzt, um Schmuggler zu jagen, die illegales nukleares Material in oder durch die Schweiz transportieren.

Gemäss Egger sollen mit der geplanten Anschaffung der neuen Geräte in fünf bis sieben Jahren integrale Kontrollen möglich sein. So soll verhindert werden, dass eine "schmutzige Bombe" oder radioaktives Material, das zum Bau einer solchen dient, in die Schweiz gelangen könnte.

Bei einer sogenannten "schmutzigen Bombe" handelt es sich nicht um eine Atombombe; bei der Explosion eines üblichen Sprengsatzes wird aber radioaktives Material verstreut.

In der Schweiz wäre eine Terror-Attacke mit einer solchen Bombe grundsätzlich durchaus möglich, hält Egger fest. Bislang sei weltweit kein Attentat mit einer schmutzigen Bombe erfolgt, mehrere seien aber von Nachrichtendiensten vereitelt worden.

Das Labor Spiez, das zum Bundesamt für Bevölkerungsschutz (BABS) gehört, geht davon aus, dass bei einem Einsatz einer solchen "radiologischen Bombe" das betroffene Gebiet während Monaten oder gar Jahren dekontaminiert und regeneriert werden müsste.

Es rechnet in einem Referenzszenario - einer Detonation einer "schmutzigen Bombe" vor dem Hauptbahnhof einer Grossstadt - mit einem wirtschaftlichen Schaden von rund 13 Milliarden Franken, wie es im NZZ-Bericht heisst. Dazu seien 30 Todesopfer durch die Explosion zu beklagen, und 55 Personen würden schwer verletzt.

(SDA)