Monsterprozess im Thurgau gegen Drogen- und Schlepperbande

Unter Polizeischutz hat am Montag der grösste Prozess in der Geschichte des Kantons Thurgau begonnen. Vor Gericht stehen 14 mutmassliche Mitglieder einer Bande von Menschenschmugglern und Drogenhändlern. Im Zentrum steht ein Tötungsdelikt an einem IV-Rentner.
20.02.2017 13:17

Das Tötungsdelikt geschah vor gut sechs Jahren. Ein 53-jähriger IV-Rentner wurde tot in seinem Einfamilienhaus in einem abgelegenen Weiler in Kümmertshausen TG gefunden. Er war durch eine brutale Knebelung gestorben. Die Tat gab vorerst Rätsel auf.

Während der Strafuntersuchung stiess die Polizei auf eine kriminelle Organisation aus türkisch-kurdischen Kreisen. Laut Anklageschrift lebten deren Mitglieder vom Drogenhandel, von Erpressungen und Menschenschmuggel.

Der Getötete war durch einen Freund in die Machenschaften der Bande hineingezogen worden. Als dieser Freund in Griechenland beim Schmuggeln von Flüchtlingen erwischt wurde, verlangte der IV-Rentner, dass der Bandenchef dem Freund, einem Türken, helfe. Als Gegenleistung bewahrte der IV-Rentner für die Bande 2,5 Kilogramm Heroin in seinem Haus auf. Weil der Freund jedoch weiterhin im Gefängnis sass, drohte der IV-Rentner dem Bandenchef mit der Polizei.

Daraufhin soll der Iraker, der als Haupttäter vor Gericht steht, Mitglieder der Bande beauftragt haben, den "alten Mann" zum Schweigen zu bringen und das Heroin zurückzuholen. Am Abend des 20. November 2010 führten mehrere Beschuldigte diesen Auftrag aus. Die Männer setzten zuerst den Hund des IV-Rentners mit Tränengas ausser Gefecht und und erstickten ihr Opfer dann auf brutale Weise.

Der umfangreiche Prozess gegen die 14 Angeklagten wurde generalstabsmässig geplant und dauert bis Ende November. Das Verfahren im Rathaus Kreuzlingen findet unter grossen Sicherheitsvorkehrungen statt.

Alle Beteiligten, Medienleute und Besucher müssen durch eine Sicherheitsschleuse und werden auf Waffen durchsucht, bevor sie in den Verhandlungssaal gelassen werden. Die Hauptangeklagten sitzen mit Fuss- und Handfesseln vor Schranken.

Am Montag werden prozessuale Vorfragen geklärt. Der erste von zwölf Verhandlungsblöcken beginnt Anfang März. Den vier Hauptangeklagten, drohen langjährige Freiheitsstrafen.

Als Haupttäter gilt ein 47-jähriger Iraker, der als vorläufig aufgenommener Flüchtling in Bischofszell lebte und seit zwei Jahren im vorzeitigen Strafvollzug sitzt. Wegen vorsätzlicher Tötung, Menschenhandel, Erpressung, Drogenhandels und weiterer Delikte verlangt die Anklage eine Freiheitsstrafe von 20 Jahren. Zudem soll der Mann verwahrt werden.

Laut der umfangreichen Anklageschrift sass der Iraker bereits mehrere Jahre im Gefängnis, weil er Kopf einer Schlepperorganisation war, welche irakische Flüchtlinge nach Europa schmuggelte. Kaum sei der Iraker 2009 aus dem Gefängnis entlassen worden, habe er die Führungsrolle der Schlepperbande wieder aufgenommen.

Unter dem Deckmantel eines Gebrauchtwagen-Exports habe der Angeklagte durch Mittelsmänner Autos gekauft und diese nach Griechenland bringen lassen, um Flüchtlinge abzuholen.

Mindestens 300 Flüchtlinge, die meisten aus dem Irak, seien so in die Schweiz, nach Dänemark, Schweden oder Norwegen geschmuggelt worden. Pro Flüchtling soll der Iraker mindestens 3000 Franken verdient haben, heisst es in der Anklageschrift.

(SDA)