Mordanklage gegen zwei Frauen nach Tod von Kim Jong Uns Halbbruder

Nach dem Giftanschlag auf den Halbbruder von Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un in Malaysia sind zwei verdächtige Frauen wegen Mordes angeklagt worden. Ihnen droht die Todesstrafe.
01.03.2017 08:43

Der 28-jährigen Vietnamesin und der 25-jährigen Indonesierin wurde am Mittwoch vor Gericht einzeln die Anklageschrift vorgelesen.Den jungen Frauen, die nach eigener Darstellung hinters Licht geführt wurden, droht die Todesstrafe.

Bei der Anklageverlesung wurden die beiden Frauen nicht aufgefordert, sich zu äussern. Dennoch sagte die Vietnamesin laut ihrem Anwalt: "Ich bin nicht schuldig." Der Verteidiger ergänzte, seine Mandantin sei angesichts des Mordvorwurfs "nervös" gewesen.

Die Angeklagten erschienen nacheinander in Handschellen und in kugelsicheren Westen im Gericht, das von mehr als hundert schwer bewaffneten Polizisten bewacht wurde. Der eigentliche Prozessauftakt wird voraussichtlich erst in mehreren Monaten sein. Der indonesische Botschafter in Malaysia, Andreano Erwin, sagte, er habe seiner angeklagten Landsfrau geraten, sich auf einen langen Prozess einzustellen.

Die Anklagebehörde wirft ihnen vor, Kim Mitte Februar am Flughafen von Kuala Lumpur mit einem Nervengift getötet zu haben. Kim, der ältere Bruder des nordkoreanischen Machthabers, war am 13. Februar in Kuala Lumpur angegriffen worden und kurz darauf gestorben.

Videoaufnahmen vom Flughafen zeigten, wie Kim von zwei Frauen angegriffen wurde, die ihm offenbar ein Tuch ins Gesicht drückten. Nach dem Angriff wandte sich Kim an das Flughafenpersonal. Nach Polizeiangaben starb er unter Krämpfen noch bevor er das Spital erreichte.

Die Ermittler gingen später auf der Grundlage ihrer Untersuchungen davon aus, dass Kim mit dem Nervengift VX getötet wurde. Die Substanz gilt als Massenvernichtungswaffe und ist international geächtet.

Südkorea verdächtigt das Nachbarland, hinter dem Attentat auf den bei der nordkoreanischen Führung in Ungnade gefallenen Kim Jong Nam zu stecken.

Die beiden verdächtigen Frauen gaben an, nicht gewusst zu haben, dass sie in ein Mordkomplott verwickelt wurden. Stattdessen gingen sie nach eigenen Angaben davon aus, bei einem Streich für eine Fernsehshow mitzuspielen. Die Polizei hatte nach dem Attentat ausser der Indonesierin und der Vietnamesin auch einen 46-jährigen Nordkoreaner festgenommen, gegen den weiter ermittelt wird.

Nordkorea hat bislang weder die Identität des Getöteten noch die Ergebnisse der Autopsie und die Polizeiermittlungen anerkannt. Malaysia weigerte sich bislang, die sterblichen Überreste von Kim herauszugeben.

Gesundheitsminister S. Subramaniam sagte, zunächst müsse der Tote von Angehörigen identifiziert werden und dann werde die Leiche Verwandten übergeben. Die eigentlich relativ entspannten Beziehungen zwischen Nordkorea und Malaysia verschlechterten sich seit dem Angriff auf Kim rapide.

(SDA)