Mutmasslicher Drahtzieher von Geiselnahme bei Dhaka erschossen

Die Polizei in Bangladesch hat drei Islamisten erschossen, darunter offenbar den mutmasslichen Drahtzieher des Blutbads in einem bei Ausländern beliebten Café Anfang Juli. Beamte stürmten am Samstag in einem Vorort der Hauptstadt Dhaka ein Versteck der Islamisten.
27.08.2016 11:30

Dies teilte die Polizei mit. Der Polizeichef des Landes, A.K.M. Shahidul Hoque, sagte, dem Aussehen nach sei unter den Opfern der Drahtzieher der Café-Attacke. Schon bei Einsatzbeginn sei sich die Polizei zu "99 Prozent sicher" gewesen, dass dieser in dem umstellten Versteck sei.

Der Polizeieinsatz in Narayanganj, einer Stadt 25 Kilometer südlich von Dhaka, habe eine Stunde lang gedauert, führte Hoque aus. Die Islamisten hätten sich nicht ergeben, sondern die Polizisten mit Granaten und Sturmgewehren beschossen.

Der mutmassliche Drahtzieher war laut Polizei 2013 aus Kanada nach Bangladesch zurückgekommen und führte die Islamistengruppe Jamayetul Mujahideen Bangladesh (JMB) an. Dieser werden zahlreiche Morde an Mitgliedern religiöser Minderheiten im islamisch geprägten Bangladesch zugeschrieben.

JMB-Kämpfer werden von den Behörden auch für den Angriff auf das Café "Holey Artisan Bakery" in Dhakas schickem Viertel Gulshan verantwortlich gemacht, bei dem am 1. Juli 20 Geiseln, darunter 18 Ausländer, und zwei Polizisten getötet worden waren.

Bewaffnete hatten das Café überfallen und dutzende Menschen elf Stunden lang festgehalten. Spezialkommandos beendeten die Geiselnahme am nächsten Morgen gewaltsam und töteten dabei sechs Angreifer. Bei den getöteten Geiseln handelte es sich um neun Italiener, sieben Japaner, einen US-Bürger und eine Inderin.

Der mutmassliche Drahtzieher war nach der Geiselnahme untergetaucht, Anfang August setzte die Polizei ein Kopfgeld von zwei Millionen Taka (gut 24'000 Franken) auf den 30-Jährigen aus.

Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bekannte sich zu der Geiselnahme und veröffentlichte Fotos vom Inneren des Cafés während der Tat. Bangladeschs Behörden wiesen dies zurück und bekräftigen, dass in Bangladesch keine internationalen Dschihadistengruppen aktiv seien.

In den vergangenen Jahren wurde das Land immer wieder von Anschlägen auf Ausländer, Menschenrechtsaktivisten und Mitglieder religiöser Minderheiten erschüttert. Im Juni wurden in diesem Zusammenhang bei Polizeirazzien mehr als 11'000 Menschen festgenommen.

Vielfach bekannten sich der IS und das Al-Kaida-Netzwerk zu den Anschlägen. Kritiker werfen der Regierung von Premierministerin Sheikh Hassina vor, sie bestreite die Bedrohung durch ausländische Islamistengruppen, um ihre politischen Gegner im eigenen Land in Misskredit bringen zu können.

Am Montag besucht US-Aussenminister John Kerry Bangladesch. Dabei steht auch die Zusammenarbeit der beiden Länder im Anti-Terrorkampf auf der Tagesordnung.

(SDA)