Nach Einigung im VW-Zuliefererstreit kann Produktion weitergehen

Der Streit zwischen dem deutschen Autokonzern Volkswagen und zwei Lieferanten ist nach einem Verhandlungsmarathon beigelegt: VW einigte sich am Dienstag mit den Firmen der Prevent-Gruppe auf ein Ende des Lieferstopps.
23.08.2016 11:46

Die beiden Unternehmen würden die Belieferung in Kürze wieder aufnehmen, sagte ein Volkswagen-Sprecher. Die betroffenen Standorte bereiteten nun schrittweise die Wiederaufnahme der Produktion vor. Auch die Zuliefererseite bestätigte die Einigung.

Über die Einzelheiten vereinbarten VW und die Prevent-Gruppe, zu der die Lieferanten Car Trim und die ES Automobilguss gehören, allerdings Stillschweigen. Die "Hannoversche Allgemeine Zeitung" berichtete, die beiden Parteien hätten eine langfristige Partnerschaft beschlossen.

In den Streit hatte sich auch die deutsche Regierung eingeschaltet, die am Montag eine Lösung anmahnte. Zwischen Volkswagen und den beiden wichtigen Teilezulieferern tobte seit Tagen ein Streit um die Kündigung von Aufträgen.

ES Automobilguss und Car Trim weigerten sich, Getriebeteile beziehungsweise Sitzbezüge an den VW-Konzern zu liefern, da dieser Schadenersatzzahlungen bei einem gestrichenen Auftrag verweigert haben soll. Die Unternehmen aus Sachsen warfen Volkswagen Machtmissbrauch vor.

Mit der Wiederaufnahme der Produktion dürfte sich das Thema Kurzarbeit in verschiedenen deutschen Werken nun erledigen. Zum genauen Zeitplan äusserte sich VW aber zunächst nicht.

VW-Verwaltungsrat und Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sagte, er freue sich für die Beschäftigten, die nun wieder an ihre Arbeitsplätze zurück könnten. "Sie sind in den letzten Tagen Opfer eines Konfliktes geworden, der ohne Not auf ihrem Rücken ausgetragen worden ist."

Wegen des Lieferstopps hatte VW für fast 30'000 Mitarbeiter in sechs Werken Kurzarbeit vorbereitet. Seit Montag ruht im VW-Stammwerk Wolfsburg und im sächsischen Zwickau die Golf-Produktion. Im Passat-Werk Emden sind bereits vergangene Woche 7500 Mitarbeiter in Kurzarbeit gegangen. An weiteren Standorten sollten im Laufe der Woche Teile der Produktion in die Zwangspause gehen.

Auch wenn der Lieferstopp nun beendet ist: Die Produktionsausfälle bei VW haben nach Einschätzung des Branchenverbandes weitere Zulieferer in Schwierigkeiten gebracht. "Die Folgewirkungen für die gesamte Wertschöpfungskette sind schon heute beträchtlich", sagte Christoph Feldmann, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME.

Wegen des Produktionsstillstands bei VW könnten die Firmen ihre Teile nicht ausliefern und müssten Bestände aufbauen. Allein bei der Produktion des wichtigsten VW-Modells Golf seien rund 500 Lieferanten beteiligt.

VW droht wegen der Sache weiteren Ärger: Die deutsche Finanzaufsicht Bafin nimmt die Kommunikation des Autoherstellers über den Zwist unter die Lupe. "Wir schauen uns an, ob im Zusammenhang mit den Streitigkeiten mit den Zuliefern und dem daraus folgenden Produktionsstopp eine veröffentlichungspflichtige Insider-Tatsache vorlag, die VW per ad-hoc-Mitteilung hätte herausgeben müssen", sagte eine BaFin-Sprecherin.

(SDA)