Autokredite auf Höchststand - Die nächste Finanzkrise steht vielleicht in der Garagen-Einfahrt

Angelockt von niedrigen Zinsen, billigem Sprit und einer Reihe neuer Fahrzeuge, fahren US-Bürger zunehmend mit Stil. Doch das sollte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Wagen stark mit Krediten finanziert sind.
25.02.2017 07:26
Lösen Autos eine neue Finanzkrise aus?
Lösen Autos eine neue Finanzkrise aus?
Bild: pixabay.com

Die Auto-Kredite in den USA hatten im vierten Quartal 2016 den höchsten Stand aller Zeiten erreicht, zeigen Daten der Federal Reserve Bank of New York. Das Volumen kletterte auf insgesamt 1,16 Billionen Dollar.

Einige Beobachter halten die Zahl für alarmierend, teilweise wird bereits von einer neuen Blase gesprochen. Der Schuldenberg würde ausreichen, um die Kosten für 43,4 Millionen Ford F-150-Pickups abzudecken – in etwa ein Wagen je acht Amerikaner. Oder anders betrachtet: Jeder US-Fahrer mit einem Führerschein kommt im Durchschnitt auf Autokredit-Schulden von rund 6100 Dollar.

Dennoch: der Markt für Autos unterscheidet sich recht deutlich von jenem für Immobilien.

Zum einen ist sind Fahrzeuge ein liquiderer Vermögenswert. Sie lassen sich einfacher wieder einziehen und weiterverkaufen. Darüber hinaus fallen Autokredit-Zahlungen in der Regel deutlicher geringer aus als Hypotheken. Und viele Leute nutzen ihren Wagen recht häufig. Wenn es also darum geht, Rechnungen zu priorisieren, dann hat ein Autokredit meist Vorrang.

Noch kein Grund zur Panik

Zahlungsverzüge bei Fahrzeugkrediten nehmen zwar zu, doch sie liegen noch immer hinter jenen bei Studenten- und Kreditkarten-Schulden zurück.

Grund zur Panik besteht also offenbar noch nicht. Doch Sorgen sind wohl angebracht. Das gilt auch für die Manager der grossen Hersteller. Denn mit Ausnahme einiger Finanz-Startups sind es die Autobauer, die Kredite an die riskantesten Käufer vergeben. Sie haben mehr Anreize dafür, einen Verkauf voranzutreiben. Anders als Banken verdienen die sowohl Geld mit dem Kredit als auch mit dem Fahrzeug, wenn denn alles glatt läuft.

Das leichte Absenken von Kredit-Standards und eine Ausdehnung des Rückzahlungszeitraums auf bis zu sechs oder sieben Jahre haben dabei geholfen, das Geschäft auf ein Rekordniveau zu führen. Insgesamt 17,55 Millionen Fahrzeuge sind so im vergangenen Jahr in den USA verkauft worden.

Autofahrer haben Finanzen nicht im Griff

Das Problem ist, dass viele dieser Fahrer nicht gerade bekannt dafür sind, dass sie in der Vergangenheit ihre Finanzen besonders gut geregelt haben.

Autobauer und ihre Finanzsparten vergeben dieser Tage rund die Hälfte aller Autokredite, doch sie stehen hinter gleich drei Viertel aller Kredite für bonitätsschwache Subprime-Käufer. Ein Ansteigen der Zahlungsverzüge wird sich bei ihnen zuerst bemerkbar machen.

Das legen auch Angaben der Fed nahe. Sie erklärte, dass jüngste Zahlungsverzüge übermässig Autobauer treffen, während Banken und Kreditgenossenschaft eine Verbesserung bei verspäteten Zahlungen verzeichnen konnten.

Mit anderen Worten: Jedes Mal, wenn eine Autoverkäufer einen Kunden zum Erwerb eines schicken SUVs überredet, dann sitzen beide stärker im selben Boot, als es zunächst den Anschein hat – beide werden später womöglich dafür bezahlen müssen.

(Bloomberg)