Nationalbank signalisiert Kurswechsel bei Deviseninterventionen

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat mit einer Änderung in der Formulierung einen leichten Kurswechsel bei den Deviseninterventionen signalisiert. Künftig könnte sie ihre Interventionen zurückfahren. An der Zinsfront bleibt alles beim Alten.
15.12.2016 12:17

In ihrer Mitteilung zur Geldpolitik vom Donnerstag schreibt die Nationalbank wie schon in den Mitteilungen zuvor, dass sie bei Bedarf weiterhin am Devisenmarkt aktiv wird. Diesmal hat die SNB jedoch diesen Standardsatz um den Zusatz "wobei sie die gesamte Währungssituation berücksichtigt" ergänzt.

Diese Formulierung ist zwar alles andere als neu. Nationalbankpräsident Thomas Jordan verwendet sie im Zusammenhang mit den Deviseninterventionen schon seit mehr als einem Jahr. Dass sie jedoch jetzt auch in die offizielle Mitteilung Eingang gefunden hat, könnte einen leichten Kurswechsel bei den Deviseninterventionen andeuten.

So gingen die Ökonomen der Credit Suisse zum Beispiel schon vor der Bekanntgabe des geldpolitischen Entscheids davon aus, dass die SNB ihre Deviseninterventionen zurückfährt und damit gegenüber dem Euro eine Aufwertung des Franken akzeptiert.

Die Grossbank begründete diese Annahmen mit dem veränderten Devisenkursverhältnissen. So gilt heute der Franken gegenüber dem Dollar nicht mehr als überbewertet. Auch hat sich die Schweizer Exportwirtschaft weitgehend vom Frankenschock erholt.

Jordan sagte vor den Medien in Bern, die Geldpolitik ändere sich nicht. Die Nationalbank habe bei ihren Interventionen immer die Gesamtsituation im Blick und beobachte alle Währungen. Sie sei bereit, weiter ihre Bilanz auszuweiten, um den bei Investoren in unsicheren Zeiten beliebten Franken zu schwächen.

Gar keine Freude an einem allfälligen Politikwechsel der SNB hat der Schweizerische Gewerkschaftsbund (SGB). In einer Mitteilung vom Donnerstag schreibt der SGB von einem "abenteuerlichen Kurswechsel der SNB".

Der Franken sei nämlich nach wie vor stark überbewertet und die Kapazitäten der Schweizer Wirtschaft seien nicht ausgelastet. In dieser Situation bräuchte es eine expansive Geldpolitik, heisst es in der Mitteilung. Der SGB erwartet darum von der SNB, das sie gegen die Überbewertung des Frankens weiter vorgeht. Das Ziel müsse sein, den Euro bei einem Kurs von 1.10 Franken zu stabilisieren.

Keinen Interpretationsspielraum lässt die Nationalbank bei den Zinsen. Die Negativzinsen auf Giroguthaben betragen weiterhin 0,75 Prozent, wie die Währungshüter am Donnerstagmorgen mitteilten. Ebenfalls unverändert beliess die Nationalbank die Leitzinsen. Das Zielband für den Drei-Monats-Libor beträgt weiterhin -1,25 bis -0,25 Prozent.

Jordan und das Direktoriumsmitglied Andréa Mächler bezeichneten den Negativzins und die Interventionen als weiterhin wirksam. In der relativ turbulenten zweiten Hälfte des Finanzjahrs sei der Franken stabil geblieben. Zuletzt intervenierte die SNB etwa nach dem Entscheid der Briten für einen Ausstieg aus der EU, als sich das Pfund stark abwertete.

Jordan betonte die Risiken für das moderate und nicht breit abgestützte Wachstum der Weltwirtschaft. Strukturelle Probleme wie Staatsschulden und fragile Finanzsysteme seien nach wie vor vorhandel. Auch die künftige US-Wirtschaftspolitik unter dem neuen Präsidenten Donald Trump sei ungewiss und der Ausgang der Brexit-Verhandlungen offen. Hinzu kämen Wahlen in mehreren Ländern der Eurozone.

Der schweizerischen Wirtschaft prognostiziert die SNB ein gleich bleibendes Wachstumstempo. Wie 2016 soll sie auch 2017 um rund 1,5 Prozent wachsen. Die Aussichten für das nächste Jahr sind verhalten positiv.

Zur Lage auf dem Hypothekar- und Immobilienmarkt schreibt die SNB, dass die Ungleichgewichte leicht geringer geworden seien. Die Gefahr einer Immobilienpreisblase hat sich also reduziert. Dennoch gibt die Nationalbank noch keine Entwarnung. Die Ungleichgewichte seien nämlich immer noch ähnlich hoch wie im Jahr 2014, schreibt sie.

Die SNB beobachte darum die Entwicklung auf diesen Märkten weiterhin aufmerksam und prüfe regelmässig, ob der antizyklische Kapitalpuffer angepasst werden muss. Die Nationalbank hat diesen Puffer 2014 auf 2 Prozent festgelegt.

Vizepräsident Fritz Zurbrügg erklärte zur Finanzmarktstabilität, die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse hätten ihr Eigenkapital leicht erhöht. Handlungsbedarf gebe es bei den wandelbaren Instrumenten. Für die Aufspaltbarkeit seien Schweizer Gesellschaften gebildet worden.

Im Weiteren kündigte Zurbrügg die neuen 20-Franken-Noten an. Die Zwanzigerscheine werden am 10. Mai 2017 vorgestellt und ab dem 17. Mai ausgegeben. Die neuen Zehnernoten sollen im Herbst folgen. Bei den neuen Fünfzigern erklärte der SNB-Vize, zwei Drittel der alten Serie seien nicht mehr im Umlauf.

(SDA)