Naturkatastrophen reissen Swiss Re in Verlustzone

Milliardenhohe Schadenforderungen durch Hurrikane und Erdbeben haben Swiss Re in den ersten neun Monaten in die roten Zahlen gerissen. Der Rückversicherer erwartet, dass die hohen Schadenkosten ein Ende des Preisdrucks bedeuten.
02.11.2017 10:28

Die Naturkatastrophen dieses Jahr belasteten Swiss Re bisher mit 4 Milliarden Dollar Schadenforderungen. Unter dem Strich erlitt Swiss Re von Januar bis September einen Verlust von 468 Millionen Dollar, nach 3 Milliarden Dollar Gewinn in der Vorjahresperiode.

"Jedes einzelne Naturereignis war immens", sagte Swiss Re Finanzchef David Cole am Donnerstag an einer Telefonkonferenz. Bereits nach dem Wirbelsturm Debbie in Australien und den Überschwemmungen in Peru sackte der Reingewinn von Swiss Re im ersten Halbjahr auf 1,2 Milliarden Dollar ab.

Doch dann fegte Ende August der Wirbelsturm Harvey über den Süden der USA. Zwei Wochen später traf Hurrikan Irma in Florida auf Land, gefolgt vom Hurrikan Maria, der die Karibik heimsuchte. Im September wurde Mexiko von einen schweren Erdbeben erschüttert, das mehr als 300 Menschen töte. Bereits Mitte Oktober rechnete Swiss Re mit 3,6 Milliarden Dollar Schadenkosten im dritten Quartal.

Die Katastrophenserie belastete in erster Linie die Sparte der Nichtlebenrückversicherung. Hier resultierte ein Verlust von 652 Millionen Dollar. Entsprechend verschlechterte sich das Verhältnis von Schadenleistungen und administrativem Aufwand zum Prämienvolumen (Combined Ratio) massiv von 97,4 Prozent Ende Juni auf 114,1 Prozent. Erst unter 100 Prozent ist das Geschäft profitabel.

Zurückzuführen ist die schwierige Ertragssituation nicht nur auf die hohen Schäden, sondern auch auf den starken Preisdruck auf Rückversicherungen von Schaden- und Haftpflichtversicherungen. "Das Geschäft ist oft nicht mehr nachhaltig", so Cole.

Nach den hohen Kosten für die Industrie im laufenden Jahr sei 2018 wieder mit Preiserhöhungen zu rechen. Da Swiss Re auf Geschäfte verzichtete, um angemessene Preise zu halten, sanken die gebuchten Bruttoprämien des Konzerns um 5,1 Prozent auf 26,7 Milliarden Dollar.

Den Naturkatastrophen stark ausgesetzt war auch die Unternehmesversicherung Corporate Solutions. Sie erlitt 762 Millionen Dollar Verlust. Der Schaden-Kostensatz erhöhte sich gar auf 142,6 Prozent (Vorjahr: 99,3 Prozent). Laut Mitteilung wird das Kapital der Sparte mit einer Milliarde Dollar gestärkt, um das Commitment für dieses Geschäft zu bekräftigen.

Für die Versicherungsindustrie erwartet Cole dieses Jahr einen Gesamtschaden in der Höhe von 95 Milliarden Dollar. Das teuerste Schadenjahr war bislang 2011, wo Rekorderdbeben und Überschwemmungen zu Schäden von über 126 Milliarden geführt hatten.

Weitere Gewinnsteigerungen verbucht Swiss Re in der Sparte Leben- und Krankenrückversicherung. Das Plus von 17 Prozent auf 741 Millionen Dollar ist auf die gute Anlageperformance und Zeichnungsergebnisse zurückzuführen.

In der Sparte Life Capital, die grösstenteils übernommene Lebensversicherungsbestände abgewickelt, war der Gewinn mit 152 Millionen Dollar deutlich unter dem Vorjahr (726 Millionen Dollar), wo einmalige Gewinne erzielt wurden.

Laut Konzernchef Christian Mumenthaler ist Swiss Re bestens gerüstet, um die hohen Schäden zu absorbieren. Mit den Kapitalanlagen erzielte der Konzern eine ansprechende Rendite von 3,5 Prozent (Vorjahr: 3,6 Prozent). Das Eigenkapital lag Ende September bei 32,8 Milliarden Dollar (Vorjahr: 34,5 Milliarden Dollar).

Swiss Re kann weiterhin Überschusskapital an die Aktionäre zurückführen. Das von den Aktionären genehmigte Aktienrückkaufprogramm startet Swiss Re am (morgigen) Freitag. Es sollen Aktien im Umfang von bis zu 1,0 Milliarde Franken zurückgekauft werden.

Die Aktien von Swiss Re legten in der ersten Handelsstunde minimal zu, drehten dann aber ins Minus. Die Finanzanalysten hatten mit einem leicht höheren Verlust gerechnet für die ersten neun Monate. Das dritte Quartal allein weist Swiss Re nicht mehr aus.

(SDA)